Mit einer 147-km-Sprintetappe am Schwarzen Meer in Bulgarien startete am Freitag der 109. Giro d'Italia.Felix Gall startet in nächste Woche in den Bergen den Angriff aufs Podest. Wobei ein Flachstück in der Toskana zur Schlüsselstelle wird.
Kurz vor dem Giro-Auftakt meldete sich Gall (28) per Video aus Bulgarien. Der Decathlon-Profi berichtete dabei von der besten Saisonvorbereitung seiner Karriere ("Ich war dreimal im Höhentraining und hab die Angst vor harten Einheiten verloren ..."), von körperlichen Fortschritten ("weniger Gewicht, höhere Wattleistungen") und technischen Verbesserungen - vor allem mit der Zeitfahr-Maschine. Der Kampf gegen die Uhr war bisher die Schwachstelle des Kletter-Spezialisten, der sich im Vorjahr mit starken Leistungen bei der Tour de France (5.) und der Vuelta a Espana (Platz 8.) endgültig in der Weltklasse etablierte.
Gall jagt erstes Grand-Tour-Podest
Beim Giro d'Italia, der am 31. Mai in Rom zu Ende geht, jagt Gall sein erstes Grand-Tour-Podest. Während die Bergetappen (50.000 Meter Höhenunterschied, 8 Bergankünfte) ganz nach Galls Geschmack sind, bereitete ihm die 10. Etappe, ein 40,2-km-langes Einzelzeitfahren am 19. Mai entlang der Toskana-Küste Kopfzerbrechen. Im letzten Höhentrainingslager am Ätna habe er "an der Aerodynamik getüftelt und viel auf der Zeitfahr-Maschine trainiert". Gall geht dabei ins Detail: "Ich bin jeden zweiten Tag mit dem Zeitfahrrad Intervalleinheiten gefahren - zum Beispiel drei Mal zehn Minuten." Dazu kamen auch längere 50-Minuten-Tempoeinheiten, bei denen sich Gall "überraschend gut" gefühlt habe.
- Rad-Olympiatraum für Benjamin Karl geplatzt
- Karl will Radprofi-Abenteuer nach F1-Vorbild starten: "Bringe Sponsor mit"
- Horrorsturz - Österreichs Neo-Radprofilady schafft es blutend ins Ziel
Erste Hammer-Etappe am 15. Mai
Abwarten, ob es reicht, um nicht wie bei letzten Grand-Tours wertvolle Sekunden im Kampf gegen die Uhr zu verlieren. Mit Decathlon-Neuverpflichtung Gregor Mühlberger hat Gall einen Edelhelfer zur Seite. Als Zimmerkollegen hatten die beiden genug Zeit, an der Taktik für die erste Woche zu feilen. "Es geht darum, dass wir Felix mit möglichst wenig Engerieverlust in die Berge bringen", so Mühlberger, der sich die 7. Etappe schon einmal rot angestrichen hat. Nach drei unspektakulären Etappen in Portugal und dem ersten Ruhetag geht's am Dienstag in Italien richtig los. Am Freitag (15. Mai) steht eine 244-km-Monsteretappe mit 13,5-km-Schlussanstieg nach Blockhaus an. Danach werden wir wissen, wer tatsächlich um die Podestplätze fährt. Topfavorit ist in Abwesenheit von Überflieger Tadej Pogacar der zweimalige Tour-de-France-Sieger Jonas Vingegaard. Dahinter ist, so Gall, "alles möglich".