Thiem steht im Finale der French Open.
Dominic Thiem hat in einem mitreißenden Halbfinale, das über zwei Tage ausgetragen wurde, bei den Tennis-French-Open die Nummer 1 der Welt besiegt. Als erster Österreicher überhaupt erreichte er am Samstag nach einem Fünfsatz-Thriller gegen Novak Djokovic sein zweites Einzel-Finale bei einem Grand-Slam-Turnier. Thiem siegte nach 4:13 Std. 6:2,3:6,7:5,5:7,7:5 und trifft am Sonntag auf Rafael Nadal.
Für Thiem war es der dritte Sieg über eine aktuelle Nummer 1 der Welt nach seinen Erfolgen über Andy Murray im Semifinale von Barcelona 2017 und Nadal im Viertelfinale von Madrid 2018. Thiem hat mit diesem Sieg seinen vierten Rang auch im neuen ATP-Ranking sicher. Selbst wenn er den Titel holt, schafft er den erstmaligen Vorstoß in die Top 3 noch nicht.
"Es war ein aufregendes Match. Es war das erste Fünfsatz-Match in Roland Garros, das war ein guter Start", meinte Thiem zum Publikum auf dem Court Philippe Chatrier. "Ich bin im Semifinale mit den drei wohl besten Spielern aller Zeiten. Es ist jedes Mal aufregend, wenn man einen von ihnen schlagen kann. Sie alle haben zumindest 15 Grand Slams gewonnen." Vom Energie-Level sei es ob der vielen Unterbrechungen schwierig gewesen. "Ja, das ist nie einfach, von 100 auf 0 und dann wieder auf 100 zu gehen. Aber das sind wir im Tennis gewohnt und wenn du gewinnst, ist alles gut, also bin ich sehr glücklich."
Thiem stoppt "Djoker"-Siegesserie
Thiem scherzte, befragt zum nächsten Gegner, zur Belustigung der Fans. "Wenn jemand hier das Finale erreicht, dann ist es gegen Rafa", meinte er schmunzelnd. Dieses geht am Sonntag (15.00 Uhr/live ORF 1) in Szene, es wird das insgesamt 13. Duell zwischen dem Sandplatz-"König" und -"Prinz".
Mit dem Sieg über Djokovic hat Thiem auch dessen Siegesserie bei Major-Turnieren beendet. Djokovic hatte zuletzt in Wimbledon, bei den US Open und den Australian Open triumphiert und war auf der Jagd nach dem "Grand Slam" (alle vier Major-Titel gleichzeitig innezuhaben). Thiem hat mit seinem dritten Sieg im neunten Duell mit dem "Djoker" nun übrigens auch die 18-Millionen-Dollar-Preisgeld-Grenze durchbrochen.
An Geld wird der 13-fache Turniersieger aber nicht gedacht haben, eher an die Genugtuung, wieder einen der ganz Großen geschlagen zu haben. "Das war vielleicht mein größter Sieg", meinte Thiem danach auch.
Intensives Spiel
Zwei Rahmentreffer zum 0:30 und einem 30:40 zum Trotz gelang ihm dies auch und er stellte auf 4:1. Doch zum 3:4 wurde ihm genauso ein Rahmenball zum Verhängnis und Djokovic schaffte das Rebreak. Beim Stand von 4:4 musste Thiem dann zwei Breakbälle des Serben abwehren, doch das entscheidende Break gelang dem Österreicher mit seinem vierten Satzball zum 7:5.
Im letzten Game dieses Satzes hatte der "Djoker" auch eine Verwarnung wegen Zeitüberschreitung (vor dem Aufschlag) erhalten. Ein Umstand, der ihn beim Seitenwechsel in Richtung Stuhlschiedsrichter ("Großartig, du hast dir selbst einen Namen gemacht") meckern ließ.
Thiem gegen Djokovic gefordert
Wetterkapriolen
Bei 5:5 passierte Thiem aber so ein Game, das gegen einen Djokovic nicht passieren darf: Mit den unerzwungenen Fehlern Nummer 44 und 45 (jeweils Vorhand) sowie einem Doppelfehler, schenkte er Djokovic nach exakt drei Stunden Spielzeit das Break zum 6:5. Der 15-fache Major-Sieger dankte es ihm und servierte nach gesamt 3:05 Stunden zum 7:5 und zum entscheidenden fünften Satz aus.
Schon im zweiten Game hatte Thiem die Chance zum ersten Break, doch erst im vierten gelang es ihm zum 3:1. Thiem schaffte es, nach 3:34 Stunden auf 4:1 davonzuziehen. Thiem hatte in der Folge einen Breakball zum 5:1, den er nicht verwerten konnte und dann musste die Partie nun auch am Samstag wegen Regens unterbrochen werden. Mit Thiem klar auf Kurs Finale ging es in eine rund einstündige Pause. Thiem hatte danach gleich wieder einen ungenutzten Breakball zum 5:1, doch Djokovic verkürzte auf 2:4 und schaffte das Rebreak zum 3:4.
Djokovic mit Lobeshymne auf Thiem
Djokovic war voll des Lobs in Richtung Thiem: "Ich gratuliere Dominic. Er hat großartig gespielt, besonders in den wichtigen Momenten mit guten Slices und Passierbällen und einer starken Vorhand. Er spielt tolles Tennis und hat gezeigt, warum er einer der besten Spieler der Welt ist." Die "Wirbelsturm"-artigen Bedingungen am Freitag seien die schlimmsten gewesen, bei denen er je gespielt hat. "Aber ich habe nicht zu viel falsch gemacht."