Pöltl: "Profi-Dasein ist etwas anderes"

NBA-Hoffnung

Pöltl: "Profi-Dasein ist etwas anderes"

Pöltl hat schon Geschichte geschrieben - nun wartet nächste "Challenge".

Ende Oktober erfüllt sich der Traum. Jakob Pöltl wird zum ersten Österreicher in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Bei seinem davor letzten Besuch in Wien sprach der 20-Jährige über seine neuen Kollegen beim Spitzenteam Toronto Raptors, seine Erwartungen an die Premierensaison im Profigeschäft und seinen Umgang mit Geld und Ruhm.

Frage: Sie sind seit einem Monat NBA-Spieler. Was war die größte Umstellung verglichen mit dem, was Sie bisher gekannt haben?

Jakob Pöltl: Es war ungefähr so wie vorgestellt, aber die Organisation ist anders. Das Teamfeeling ist ein bisschen weg. Du fliegst selbstständig nach Las Vegas zur Summer League, gehst dort dann zum Spiel. Es geht jeder ein bisschen getrennte Wege. Man merkt schon, dass es jetzt Profigeschäft ist - auch wenn die Summer League noch nicht das Höchste ist. Aber man merkt, dass jeder um seinen Job spielt. Am College war das ein bisschen lockerer.

Frage:: Wie geht es Ihnen körperlich? Fühlen Sie sich auf eine NBA-Saison mit 82 Spielen vorbereitet?


Pöltl: Die vielen Spiele sind nicht so das Problem, aber die Spiele selbst sind viel anstrengender, weil ich körperlich viel mehr aufbringen muss. Dadurch, dass mein Gegenspieler größer, stärker und schneller ist, muss ich mich viel mehr einsetzen, um dagegenhalten zu können. Das zehrt von der Energie her. Man läuft nicht mehr so locker auf und ab, wenn man an jedem Ende kämpfen muss. Das ist eine wirklich große Umstellung, das habe ich gemerkt. Daran muss ich mich gewöhnen.

Frage: Was machen Sie dafür? Bis zum Saisonstart sind es noch drei Monate.

Pöltl: Ich habe vor der Summer League keine Vorbereitung gehabt. Es ist kein superwichtiges Turnier, ich habe davor monatelang nicht 5-gegen-5 gespielt. Vor der Saison ist das anders, da werde ich zwei Monate viel gespielt haben - auch gegen meine Teamkollegen, die wirklich gut sind im NBA-Vergleich. Dadurch wird es leichter. Dann kommt noch Krafttraining dazu. Ich werde mit der Zeit stärker und besser werden. Die Spiele selbst werden leichter. Die 82 Spiele sind dann noch einmal eine eigene Challenge.

Frage: Was sind neben dem Körperlichen die größten Herausforderungen beim Einstieg in die NBA?

Pöltl: Das Profi-Dasein ist etwas anderes. Am College wird man ein bisschen mitgetragen, da ist man immer zu zweit am Zimmer und hat immer irgendjemanden. Jetzt muss ich mein Leben selbst organisieren. Ich wohne dann alleine. Daran muss ich mich gewöhnen, weil früher immer mehrere Leute zusammen waren. Jetzt wird das Ganze eigenständiger. Ich bin viel auf mich selbst gestellt und muss mein Leben alleine organisieren.

Frage: Inwieweit spielt der Umgang mit Ruhm und Geld eine Rolle?

Pöltl: Das wird sicher auch eine Challenge werden. Mit dem Geld habe ich nicht so ein Problem. Ich glaube nicht, dass ich Gefahr laufe, dass ich zu viel rauswerfe oder nicht weiß, was ich damit machen soll. Ich werde mir auch Hilfe holen, um das zu managen. Da mache ich mir nicht zu viele Sorgen. Das mit dem Ruhm ist auch so ein bisschen ein Klassiker. Aber ich sehe mich da nicht in großer Gefahr.

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Frage: Wieviel hat Ihnen Kollege Delon Wright schon geholfen?

Pöltl: Das war schon sehr praktisch - einerseits auf dem Feld, weil ich schon auf dem College mit ihm gespielt habe, aber auch abseits davon. Er hat meinen Weg letztes Jahr schon gemacht. Es ist ein Startbonus, ihn schon zu kennen. Ich muss mir jetzt keine neuen Freunde suchen, weil ich ihn schon habe. Es ist natürlich, dass er mein erster Ansprechpartner ist.

Frage: Zwei Ihrer Teamkollegen stehen auch im US-Olympiateam. Haben Sie Kyle Lowry und DeMar DeRozan schon kennengelernt und werden Sie das Turnier dadurch noch ausgiebiger verfolgen?

Pöltl: Ich werde es sowieso verfolgen - aber durch sie natürlich noch mehr. DeMar DeRozan habe ich in Las Vegas kennengelernt. Er ist sehr locker, sehr chillig drauf dafür, dass er gerade einen Vertrag über 140 Millionen (Dollar) oder so unterschrieben hat. Er ist ein sehr gemütlicher, positiver Typ.

Frage: Das heißt, auch mit solchen Stars wird es auf einer persönlichen Ebene funktionieren?

Pöltl: Das wird davon abhängen, wie er drauf ist. Aber soviel ich bisher mitbekommen habe, ist er ein super Typ. Da gibt es in der NBA sicher auch andere, die abheben und glauben, sie sind jetzt wichtiger als du. Vielleicht bin ich mit denen dann nicht so gut befreundet. Ich habe die meisten meiner Teamkollegen noch nicht kennengelernt. Ich hoffe, dass solche nicht dabei sind. Ich befürchte es auch nicht. Ich glaube, dass wir ein sehr cooles, junges Team haben.

Frage: Wie gehen Sie mit den Erwartungen in der Heimat um? Sie werden Österreich in drei Monaten endgültig auf die Basketball-Landkarte bringen.

Pöltl: Ich persönlich sehe es recht locker. Ich werde mich voll reinhauen, aber ich gehe nicht rein und denke mir, wenn ich nicht 15 Minuten spiele und so und so viele Punkte mache, dann war es eine Enttäuschung. Ich gehe wie in der Vergangenheit sehr offen rein. Ich hoffe, dass ich mir immer mehr erarbeiten kann. Die Erwartungen in Österreich habe ich noch nicht so mitbekommen. Was wird erwartet? Dass ich alle aufmache? (lacht)

Frage: Dass Sie eine Rolle spielen können.

Pöltl: Das hoffe ich auch. Es ist schon mein Ziel, dass ich die Chance bekomme, dass ich Minuten bekomme, dass ich mich an das NBA-Leben gewöhne und von Tag zu Tag verbessern kann. Aber ich habe kein Punktziel oder Minutenziel festgelegt.