Polit-Beben in Ungarn: Viktor Orbán ist abgewählt. Herausforderer Peter Magyar feiert einen klaren Sieg. Jetzt kündigt er einen radikalen Neustart an.
Nach dem klaren Sieg des Pro-Europäers Peter Magyar über den vehementen Brüssel-Kritiker Viktor Orban bei der Parlamentswahl in Ungarn hofft die EU auf mehr Einigkeit und neuen Schwung. Zudem betonten viele Regierungen am Montag, dass die Niederlage des Rechtsnationalisten Orban ein Signal von internationaler Bedeutung sei. Wahlsieger Magyar kündigte am Montag in Budapest den Beginn einer neuen Zeitrechnung an.
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Klare Ansage nach Sieg
"Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass jetzt tatsächlich eine neue Ära beginnt", sagte Magyar. Die Ungarn hätten für einen "vollständigen Regimewechsel" gestimmt.
Bereits am Sonntagabend hatte der Chef der konservativen Tisza-Partei zehntausenden feiernden Anhängern zugerufen: "Gemeinsam haben wir das Orban-Regime gestürzt - gemeinsam. Wir haben Ungarn befreit, wir haben uns unsere Heimat zurückgeholt."
Deutlicher Wahlsieg
Die Tisza-Partei konnte bei der Wahl laut dem nach Auszählung fast aller Stimmen veröffentlichten Ergebnis 53 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Damit errang sie 138 Mandate im 199 Sitze zählenden Parlament in Budapest. Orbans Fidesz-Partei kam mit 38 Prozent der Stimmen auf 55 Sitze. Angesichts der Bedeutung der Wahl waren so viele Ungarn zu den Urnen geströmt wie nie zuvor: Es wurde eine Rekordbeteiligung von 79,6 Prozent erzielt.
Mehrheit für Umbau
Damit eroberte Tisza im Parlament sogar die wichtige Zweidrittelmehrheit. Dies gibt Magyar genügend Spielraum auch für mögliche Änderungen an der Verfassung, die Orban in seiner 16-jährigen Regierungszeit immer mehr zu seinen Gunsten hatte umändern lassen. Der 62-Jährige erkannte bereits kurz nach Schließung der Wahllokale seine Niederlage an und gratulierte seinem Herausforderer zum Sieg.
Neuer Mann an der Spitze
Der 45-jährige Magyar gehörte früher dem Orban-Lager an und betrat erst vor zwei Jahren die große politische Bühne, indem er sich von Orbans Fidesz-Partei lossagte und an der Spitze der Tisza zum Oppositionsführer wurde. Während er beim Thema Europa ganz klar andere Positionen als Orban vertritt, ist er in anderen Bereichen eher auf der Linie seines Kontrahenten: Auch der künftige ungarische Regierungschef lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab und vertritt einen scharfen Anti-Einwanderungskurs.