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Bernhard-Premiere: Lacher und Langeweile

Heldenplatz

Bernhard-Premiere: Lacher und Langeweile

22 Jahre nach der Uraufführung hatte "Heldenplatz" in der Josefstadt Premiere.

Nachtkritik von Chrsitoph Hirschmann
Ich kann mich noch lebhaft erinnern: Zur Uraufführung von Thomas Bernhards Heldenplatz an Claus Peymanns Burgtheater wurde ich mit einem tragbaren Telefon – einem steinzeitlichen Vorläufer des Handys – ausgestattet, damit ich kurz vor Beginn, in der Pause und gleich danach einen Lagebericht (an die Arbeiterzeitung) durchgeben konnte. Das war damals, anno 1988, für einen Theaterkritiker nicht wirklich alltäglich. Aber durchaus sinnvoll: Denn schon vor Beginn konnte man über den Misthaufen berichten, der vor der Burg abgeladen worden war, in der Pause waren die Anti-Bernhard/Peymann-Flugzettel das hauptsächliche Thema und danach die lautstarken Pro- und Kontra-Statements des Publikums.
Die damals von Wolfgang Gasser in der Rolle des räsonierenden, nörgelnden und tobsüchtigen Professor Schuster in den Raum gestellte Bernhard‘sche Polemik – Österreich sei von "sechseinhalb Millionen Debilen" besiedelt – sollte noch Monate lang für Gesprächsstoff sorgen.

Kanonade
Am 9.9. hatte, 22 Jahre danach, Bernhards Heldenplatz in der Josefstadt Premiere. Und die kardinale Frage, die man sich davor gestellt hatte, lautete naturgemäß: Hat das Stück die zwei Jahrzehnte gut überstanden? Kann man sich über die Schimpfkanonaden des Übertreibungskünstlers noch so echauffieren wie damals? Kurz: Wird sich Bernhards Heldenplatz als über den aufreibenden Geburtsakt hinaus als nachhaltig erweisen?

Lacher
In Philip Tiedemanns stilisierter und vom Text teilweise ablenkender Neuinszenierung verkörpert der populäre deutsche Schauspieler Michael Degen den Professor. Und da Degen die Rolle gebrechlicher und zerbrechlicher anlegt als der seinerzeit offensivere Gasser, wirkt der Heldenplatz revisited weniger subversiv als bei der Uraufführung, schon gar nicht explosiv, irgendwo zwischen melancholisch und amüsant pendelnd. So reagierte das Premierenpublikum des Jahres 2010 auch komplett anders: Statt Anti-Föttinger-Flugzettel (kleiner Scherz) gab’s Lacher, Nachdenklichkeit, mitunter auch ein bissel Langeweile und am Ende viel Applaus.

Autor: C. Hirschmann
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