Gesundheit
Patientenanwalt ortet Mangel an Kassenärzten
"Es gibt zu wenige Kassenärzte", sagte er bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Erst wenn der niedergelassene Bereich ausreichend ausgestattet sei, könnten die Spitäler entlastet werden. Beim Thema Gastpatienten forderte Jelinek Lösungen von der Politik, in der Pflege müsse man sich für kommende Herausforderungen wappnen.
Anlass für den Termin war der Jahresbericht der Patientenanwaltschaft, der in den kommenden Tagen veröffentlicht wird. Jelinek beschrieb die aktuelle Lage im Wiener Pflege- und Gesundheitssystem, dem er allgemein eine "hohe Qualität" attestierte. Dennoch gebe es einige Problemfelder, etwa den "Dauerbrenner Zweiklassenmedizin", oder zu lange Wartezeiten. Auch die Personalsituation in den Spitälern sei "weiterhin sehr angespannt".
Man höre oft, wenn die Leute eher im niedergelassenen Bereich behandelt würden, hätten die Spitäler weniger Probleme. Fehlende Kassenärztinnen und Kassenärzte seien aber Teil des Problems, sowohl in der Allgemeinmedizin als auch in Fachrichtungen. Zugangsbarrieren zu Spitalsambulanzen sieht Jelinek daher kritisch: "Auch die zuletzt wieder verstärkt diskutierte und vom Rechnungshof ins Spiel gebrachte Ambulanzgebühr wäre vermutlich hinfällig, wenn das Angebot im niedergelassenen Bereich wirklich vorhanden wäre." Patientinnen und Patienten müssten zudem häufig auf das teurere Wahlarztsystem ausweichen.
ÖGK: Alle Kassenstellen bis auf eine besetzt
In der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) weist man die Darstellung Jelineks zurück. Von den 1.817 Kassenstellen in Wien seien alle bis auf eine besetzt, hieß es in einer Aussendung. Den Patientinnen und Patienten stehe ein dichtes Netz an Vertragsärztinnen und -ärzten zur Verfügung. "Gleichzeitig ist klar, dass eine nahezu vollständige Besetzung von Planstellen nicht automatisch bedeutet, dass es in allen Fachrichtungen, Bezirken und zu allen Zeiten keine Wartezeiten oder Engpässe gibt." Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und der zunehmenden Inanspruchnahme spezialisierter Versorgung steige die Nachfrage nach medizinischen Leistungen. "Diese Herausforderungen müssen gemeinsam mit der Stadt Wien, der Ärztekammer und den weiteren Partnern im Gesundheitswesen adressiert werden."
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Gastpatienten: "Einfach kein Zustand"
Die Frage der Gastpatienten sei zuletzt "wahnsinnig beschwerdeträchtig" gewesen, sagte Jelinek. Aufgrund der öffentlichen Diskussion habe es auch vermehrt Anfragen dazu gegeben. Das Thema sei dringend und müsse bald erledigt werden, meinte der Patientenanwalt: "Es müssen sich die Politiker zusammensetzen und eine vernünftige Lösung finden können." Wenn geplante Eingriffe häufig verschoben würden, sei das "einfach kein Zustand".
Im Bereich der Langzeitpflege sah Jelinek "schwierige Jahre und Jahrzehnte" kommen. Der Pflegebedarf steige, und damit auch der Bedarf an Personal. Deshalb müsse man die Ausbildung forcieren, ausländische Fachkräfte anwerben und den Beruf attraktiv gestalten. Ein Problemfeld sei auch der Umgang mit dementen Personen. Informationen dazu würden aber teils fehlen, so Jelinek, es brauche "eine datenbasierte Demenzstrategie".
Im vergangenen Jahr habe die Anwaltschaft bei den Kontakten mit Patientinnen und Patienten einen leichten Rückgang verzeichnet. Die Zahl der schriftlichen Eingaben habe sich hingegen erhöht und dieser Trend setze sich fort. Themen seien etwa Behandlungsfehler und der Umgang mit postakuten Infektionssyndromen (PAIS) wie ME/CFS oder Post Covid. Auch mit Sterbeverfügungen und Schadensersatzforderungen beschäftigte sich der Patientenanwalt.
Korosec: "Verfehlte Gesundheitspolitik"
"Dieser Bericht ist die schonungslose Bilanz einer verfehlten Gesundheitspolitik", reagierte Ingrid Korosec, Gesundheitssprecherin der Wiener Volkspartei, in einer Aussendung. "Abgewiesene Patienten, unterversorgte Kinder, explodierende Wartezeiten" würden ein schlechtes Bild ergeben. Die Stadtregierung aus SPÖ und NEOS sehe bei diesen Problemen nur zu, so Korosec.
Einen weiteren Beleg für "die teils verheerenden Zustände im Wiener Gesundheitssystem", sah die Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen, Barbara Huemer. Besonders fatal seien "die unglaublich langen Wartezeiten, gerade für Kinder und Jugendliche". Auch die Wiener FPÖ ortete "eine vernichtende Bilanz für die Gesundheitspolitik von SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und den Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV)".
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