Salzburg

60. Geburtstag: Pfingstfestspiele feiern Bartoli mit großer Show

Die Sängerin begeisterte mit einer autobiografischen Revue voller Show, Emotionen und Selbstironie, ohne sich im Kitsch zu verlieren

Cecilia Bartoli verwandelte am Sonntagabend bei den Salzburger Pfingstfestspielen im Großen Festspielhaus ihren bevorstehenden 60. Geburtstag in eine opulent überdrehte, dabei erstaunlich persönliche Bühnenshow. "Ciao, bella ciao" geriet unter der Regie von Davide Livermore weniger zur klassischen Gala als zu einer autobiografischen Revue zwischen Fernsehshow, Familienalbum und Opernfantasie.

Der Rahmen: Ein Fernsehteam interviewte die Sängerin und führte durch die Stationen ihrer Karriere. Bartoli erzählte dabei ihre eigene Geschichte anhand von Nummern, Erinnerungen und Funfacts. Statt großer Opernarien dominierten Canzoni, Schlager, Musical- und Revuenummern mit viel Tanz und Choreografie. Dazu wurde das Große Festspielhaus zur riesigen Showbühne mit monumentaler Leinwand, auf der historische Fernsehauftritte, Videoanimationen und fantasievolle Bildwelten eingeblendet wurden.

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Mal raste die junge Bartoli in animierten Mopedrennen durch Rom, mal öffneten sich Weltkarten oder die Kulisse New Yorks, wie sie die italienischen Einwanderer einst bei ihrer Ankunft vom Wasser aus sahen. Der Abend begann bei Bartolis Kindheit in Rom, wo sie bereits als neunjähriges Mädchen den Hirtenknaben in "Tosca" sang. Archivaufnahmen ihrer frühen Fernsehauftritte lösten ebenso Szenenapplaus aus wie spätere persönliche Erinnerungen. Besonders berührend geriet eine Szene in der Küche ihrer Mutter, selbst Sängerin, deren alte "Traviata"-Aufnahme eingespielt wurde. Als die 90-Jährige im Publikum aufstand, riss es den gesamten Saal zu Standing Ovations von den Sitzen.

 


 

Gute Balance zwischen Emotion und Spektakel

Überhaupt balancierte der Abend permanent am Rand des Kitsches, kippte aber nie hinein. Dafür sorgten Bartolis entwaffnende Selbstironie ebenso wie ihre sichtbare emotionale Offenheit. Wenn sie ihrem verstorbenen Bruder ein Lied widmete und dabei sichtlich um Fassung rang, entstand einer der wenigen stillen Momente dieser sonst pausenlos pulsierenden Show. Musikalisch verwandelten sich die "Les Musiciens du Prince - Monaco" unter dem fernseherfahrenen Dirigenten Yvan Cassar vom Opernorchester zur Big Band einer italienischen Samstagabendshow. Besonders im Carmen-Block mit glitzernden Toreros und spektakulären Tanznummern entwickelte der Abend enorme Wucht.

Zum Finale erhob Livermore auf der Bühne Bartoli endgültig zum Mythos und erklärte, Salzburg habe sie erst zu einer Norma gemacht. Mit Bellinis "Casta Diva" erinnerte die Sängerin schließlich daran, dass hinter all dem Glitzer noch immer eine außergewöhnliche Sängerin steht. Das Publikum dankte es mit frenetischem Jubel, Bravorufen und Standing Ovations.

(Von Larissa Schütz/APA)

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