Schlechtes Wetter, gute Stimmung und ein buntes Favoritentableau in der Wiener Stadthalle ist am morgigen Finaltag zu erwarten. Gleichzeitig demonstrieren Tausende. Der Demozug will sich den Weg vom Westbahnhof in die Nähe der Stadthalle bahnen.
Zwei eherne Gewissheiten scheinen bezüglich des großen Finales des 70. Eurovision Song Contests bereits jetzt festzustehen: Die Endrunde am Samstag in der Wiener Stadthalle wird mit 25 Acts über die Bühne gehen. Und das Wetter stellt auch am Abschlusstag des größten Musikbewerbs der Welt die Windmaschinen auf der Bühne in den Schatten. Wie bereits praktisch die gesamte ESC-Woche über verspricht der Himmel zur Endrunde Regen und Böen.
Die Veranstaltung "Song Protest Vienna 2026 am Freitag. Am Samstag - zum Finale - ist eine Riesendemo geplant.
Bisher ließen sich viele ESC-Fans von derlei Unbilden nicht abhalten, zählten die Veranstalter im größten Public-Viewing-Areal des Landes, dem Eurovision Village am Wiener Rathausplatz, noch vor dem Finaltag über 70.000 Besucherinnen und Besucher - und das, obgleich man am Montag das Areal ob eines Unwetters gar hatte evakuieren müssen. Zum Finale soll nun aber wie geplant die Sperre des Rings hin zum Burgtheater umgesetzt werden. Damit bietet die Anlage Platz für 30.000 Menschen, um die Show aus der Stadthalle live zu verfolgen. Bleibt abzuwarten, wie viele ESC-Interessierte zusätzlich in die wettersicheren Gemeinschaftsschaustandorte ausweichen - von der Wiener Volksoper über das MAK bis hin zum Kärntner Landesmuseum.
Die Veranstaltung "Song Protest Vienna 2026
Favoritendominanz in der Stadthalle
Nach menschlichem Ermessen fix trocken zugehen sollte es auch in der Wiener Stadthalle, wo ab 21 Uhr 25 Nationen ihre Acts ins Rennen schicken, um das Erbe von JJ mit seinem "Wasted Love" anzutreten, der im Vorjahr in Basel die Trophäe und damit auch den Wettbewerb in sein Heimatland holte. In den beiden ebenfalls bereits von Victoria Swarovski und Michael Ostrowski moderierten Halbfinalen setzten sich bisher vornehmlich die schon zuvor als Favoriten gehandelten Acts durch.
Nahezu festgefressen an der Spitze der Wettprognosen hat sich dabei das finnische Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen mit seiner Geigenbombastballade "Lietkinheitin". Die Verfolger liefern sich indes ein härteres Rennen, hat sich mittlerweile doch Australiens Diva Delta Goodrem mit ihrem Nostalgiepop bei "Eclipse" als klare Nr. 2 etabliert und könnte den Nordleuten gefährlich werden.
Griechenland muss Federn lassen
Etwas Federn lassen musste indes der griechische Spaßrapper Akylas, der mit seiner bunten Nummer "Ferto" mittlerweile auf Rang 3 gefallen ist. Noch stärker ist der Abwärtstrend für den dänischen Kandidaten Søren Torpegaard Lund, der mit seiner ebenso soliden wie harmlosen Nummer "Før vi går hjem" im Sturzflug auf mittlerweile Platz 6 zum Liegen gekommen ist. Damit ist er noch hinter die Rumänin Alexandra Căpitănescu zurückgefallen, die es vor Freude schon würgen dürfte, darf man ihrem "Choke Me" (rangiert aktuell auf Platz 5) doch noch einiges zutrauen.
Israels Kandidat könnte gewinnen: Große Demo angesagt
Und schließlich ist auch Israels Kandidat Noam Bettan mit seiner rauchigen Liebesballade "Michelle" gut im Rennen und spechtelt von Platz 4 aus auf den Sieg. Dabei ist die Teilnahme des Landes am Bewerb nach dem Gazakrieg als Folge des Hamas-Überfalls auf Israel in Teilen der ESC-Gemeinschaft durchaus umstritten. Nach einem "Song Protest" zwischen KHM und NHM am Freitag ist kurz vor dem Finale eine Großdemonstration für 3.000 Menschen angemeldet, die unter dem Motto "Keine Bühne für den Völkermord" von der Nähe des Westbahnhofs in die Nähe der Stadthalle, dem ESC-Venue, ziehen möchte.
Cosmó macht das Schlusslicht
Und wie steht es um die Chancen des Österreich-Kandidaten Cosmó, der mit seinem "Tanzschein" im Finale den letzten Startplatz ausgefasst hat? Schenkt man den Buchmachern Glauben, könnte es auch der letzte Platz in der Endwertung werden. Der rot-weiß-rote Hoffnungsträger zeigte sich allerdings kurz vor dem Finale im APA-Gespräch unbeleckt von derlei Prognosen. "Schöner könnt's nicht sein", so sein vorläufiges Zwischenfazit.
Auch die Spitzenpolitik schwingt sich in diese positive Stimmung ein, und so werden Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ), Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) in Begleitung ihrer Amtskollegen aus Finnland und Luxemburg oder Ex-Grünen-Chef Werner Kogler in der Stadthalle mitjubeln.
Ebenso haben die Zuschauerzahlen vor den Bildschirmen mit laufendem Bewerb zugenommen. So verfolgten im Schnitt 680.000 Menschen den Showblock im 2. Halbfinale, was einer Steigerung zum 1. Semifinale um 60.000 Personen entspricht - eine Zahl, die sich am morgigen Abend, wenn Andi Knoll in ORF 1 wieder die ESC-TV-Gemeinde begrüßt, noch weiter erhöhen dürfte.