Ein akuter Krankheitsfall in der Richterschaft hat den Osloer Hochspannungsprozess gegen den norwegischen Kronprinzessinnen-Sohn Marius Borg Høiby am Dienstag zu einer jähen, wenn auch nur temporären Zäsur gezwungen.
Im Osloer Justizpalast herrscht am Dienstag unerwartete Stille. Der für den 29-jährigen Marius Borg Høiby anberaumte 27. Verhandlungstag musste kurzfristig abberaumt werden, da der vorsitzende Richter Jon Sverdrup Efjestad krankheitsbedingt indisponiert ist. Dies bestätigte das zuständige Gericht in der norwegischen Hauptstadt offiziell.
Mehr lesen:
- Schock-Enthüllung in Oslo: Mette-Marits Vergangenheit holt sie inmitten der Marius-Krise ein
- Epstein: Seine geheime Verbindung zu Österreich
- Marius Ex-Freundin flehte seine Eltern an: Schickt ihn auf Entzug!
Damit gerät der Zeitplan eines Verfahrens ins Stocken, das sich bereits in seiner entscheidenden Phase befindet. Ursprünglich hätte Staatsanwalt Sturla Henriksbø am heutigen Tage für das von der Anklagebehörde geforderte Strafmaß plädieren sollen – ein zentraler Akt im Rahmen der Hauptverhandlung. Gerichtssprecher Markus Iestra hielt dazu fest: „Heute findet keine Gerichtsverhandlung im Strafverfahren gegen Marius Borg Høiby statt, da der vorsitzende Richter erkrankt ist. Wir hoffen das Verfahren morgen fortsetzen und die Hauptverhandlung weiterhin am Donnerstag abschließen zu können.“
Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (50) mit ihrem ältesten Sohn Marius Borg Hoiby (28)
Eine kurze Atempause im Sündenregister
Für den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, der sich bereits seit Anfang Februar vor dem Kadi verantworten muss, bedeutet diese Vakanz eine kurze Atempause in einem massiven Verfahren. Die Anklageschrift ist von beträchtlichem Umfang und umfasst insgesamt 38 Punkte. Im Zentrum der Vorwürfe stehen vier Vergewaltigungen; flankiert wird dieses Sündenregister von Delikten wie Körperverletzung und Verstößen gegen das Suchtmittelgesetz.
Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Argumentation auf ein dichtes Geflecht aus digitalem Beweismaterial, namentlich Videos und Textnachrichten, sowie auf Zeugenaussagen und technische Auswertungen von Mobiltelefonen. Nachdem die Beweisaufnahme bereits für geschlossen erklärt wurde, stehen nun die Plädoyers der Kontrahenten – Staatsanwaltschaft und Verteidigung – an.
Marius Borg mit Andrea Shelby
Drastische Worte der Anklage
Bereits am Montag zeichnete Staatsanwalt Henriksbø ein düsteres Bild des Angeklagten und dessen mutmaßlichen Verhaltensmustern. Er fand dabei deutliche Worte: „Wir haben hier einen Mann erlebt, der sich nimmt, was er will. Und der nicht unbedingt darauf bedacht ist, bei einer Party bei dem Mädchen, das auf seinem Schoß sitzt, nachzufragen, ob es ihr recht ist, dass er sie berührt.“
Für Borg Høiby steht bei diesem Prozess viel auf dem Spiel: Im Falle eines Schuldspruchs droht dem Spross des norwegischen Königshauses eine langjährige Haftstrafe von bis zu 16 Jahren.