Mit ihrem Buch „60 ist das neue 60 – Und warum es überhaupt nicht wehtut“ wehrt sich Katja Burkard gegen den Jugendwahn und plädiert stattdessen für Best Aging. Beim MADONNA Body&Soul Day verriet sie, warum.
Am Anfang der Wechseljahre steht die Angst ... vor dem Altwerden, optisch wie körperlich, vor dem Verlust der (Lebens-)Lust, vor dem gesellschaftlichen oder auch beruflichen Aus. Ängste, die viele Frauen plagen, denen TV-Star Katja Burkard schon mit ihrem Buch „Wechseljahre? Keine Panik!“ Mut machen wollte. Schließlich durchlebte auch sie sämtliche Tiefen der Menopause – „bis mir der Knopf aufging“, wie sie selbst sagt. Im letzten Jahr legte die RTL-„Punkt 12“-Moderatorin anlässlich ihres eigenen 60. Geburtstags nach und machte dem Jugendwahn mancher den Garaus. Denn Burkards Credo lautet: „60 ist das neue 60“!
Beim MADONNA Body&Soul Day sorgte die zweifache Mutter, die erst 2025 ihren langjährigen Partner, Austro-Medienmanager Hans Mahr, heiratete, für Furore – mit ihrem ehrlichen Talk über die Schönheit des Älterwerdens, Nachteile für das Bindegewebe und über den kürzlichen Tod ihrer Mutter, der ihr einmal mehr die Augen über das Leben öffnete. Hier einige Auszüge aus dem Gespräch:
Sie haben eigentlich einen sehr positiven Blick auf das Älterwerden. Nun mussten Sie vor Kurzem Abschied von Ihrer Mutter nehmen – hat dies Ihren positiven Blick nicht getrübt?
Katja Burkard: Sie haben mich vor diesem Auftritt freundlicherweise gefragt, ob ich darüber sprechen möchte. Da habe ich echt überlegt, weil ich natürlich auch die Privatsphäre meiner Mutter schützen möchte. Aber ich glaube, hier sind viele aus meiner Generation, die gerade das Thema haben, dass wir Eltern durch Pflegebedürftigkeit, Krankheit oder auch bis zum Tod begleiten. Und jeder, der das mitmacht, weiß, was das für ein Kraftakt ist – zum einen für die Betroffenen, aber natürlich auch für die Angehörigen. Ja, das verändert den Blick aufs Älterwerden und ich merke auch, mir steckt das in den Knochen. Es macht ja auch Angst, wenn man das sieht fürs eigene Leben. Aber ich folge jetzt dem Rat meiner Mutter. Die hat zu mir gesagt: „Mach weiter, sei fröhlich und bleib so positiv!“ Deshalb bemühe ich mich gerade sehr, den positiven Blick nach vorne nicht zu verlieren.
Erst vor kurzem offenbarte Katja Burkard, dass sie sich von ihrem Partner getrennt hatte, wenn auch nur für kurze Zeit. Umso schöner ist jetzt das Happy-End!
Sie sind im letzten Jahr 60 geworden, haben ein sehr positives Buch darüber geschrieben – hat Ihnen diese runde Zahl wirklich nichts gemacht?
Burkard: Als ich 59 wurde, haben ganz viele zu mir gesagt: „Katja, ein Jahr hast du noch.“ Da habe ich gedacht: Oh Gott, was ist denn dann, wenn ich 60 werde? Ich weiß natürlich, wir Frauen haben Respekt oder Angst vor der Sechs am Anfang. Aber ich muss sagen, ich finde es toll, 60 zu sein, weil sich auch zwischen 50 und 60 noch mal viel verändert hat. Neulich hat ich glaube, es war Jane Fonda gesagt: Mit 40 hat man die Grundkenntnisse, mit 50 macht man den Bachelor und mit 60 den Master. So fühlt es sich für mich an. Ich bin auch der Meinung, unsere Generation der 60-Jährigen ist eine andere als die unserer Mütter. Wir haben begriffen, dass Sport wichtig ist, und wir hätten uns auch scheiden lassen oder alleine Kinder großziehen können, ohne schief angeschaut zu werden. Wir haben viel Selbstermächtigung erlangt, und das macht uns in vielerlei Hinsicht zu einer anderen Generation.
Sie erzählen auch immer wieder, dass es für Sie viel schlimmer war, 30 zu werden ...
Burkard: Also, als ich 30 wurde, hatte ich wirklich eine Krise. Ich hatte keinen Bausparvertrag, nicht den Mann, mit dem ich Kinder kriegen wollte. Ich wusste auch nicht: Wo will ich leben? Wie will ich überhaupt Mutter werden? Da war so vieles im Unklaren bei mir im Leben. Umso schöner finde ich meinen heutigen Zustand. Ich weiß genau, was ich kann, und auch, was ich nicht kann. Ich möchte einfach zu mir stehen können, und das kann ich immer besser. Ich bin ja der Meinung, mit dem Alter wird alles besser – außer das Bindegewebe. Aber das gehört leider auch mit dazu, und ich möchte einfach auch gut eine alte Frau werden können.
Stichwort Bindegewebe – wie geht es Ihnen mit optischen Veränderungen im Alter?
Burkard: Ich arbeite in den Medien und bin selbstkritisch – wie viele Frauen, die oft ihre größten Kritikerinnen sind. Trotzdem muss ich sagen: Heute bin ich mit meinem Äußeren viel versöhnter als früher. Das ist eigentlich verrückt. Klar, man hat immer wieder neue „Baustellen“. Im Moment bin ich zum Beispiel etwas auf meine Arme fixiert – ich merke einfach Veränderungen und trage nicht mehr bei jedem Licht ärmellos. Aber wir haben heute auch viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Ich stehe dazu: Ich lasse mir zwei- bis dreimal im Jahr Botox in die Zornesfalte spritzen und pflege meine Haut. Gleichzeitig bringt mich nicht jede neue Falte aus der Fassung.
RTL-Powerlady Katja Burkard
Was war denn aus Ihrer Sicht der Gamechanger in Sachen Älterwerden?
Burkard: Ich glaube, meine Generation hat verstanden, wie wichtig Bewegung ist. Im Leben fast jeder Frau gehört irgendein Sport oder Bewegung zum Lifestyle. Das ist meiner Meinung nach der große Gamechanger. Denn wenn wir uns nicht mehr bewegen können, dann können wir uns in vielerlei Hinsicht nicht mehr bewegen. Und wenn wir in Bewegung bleiben, dann macht das sehr viel mit unserem Leben.
Sie haben auch das Buch „Wechseljahre? Keine Panik!“ geschrieben. Immer noch ein Tabuthema?
Burkard: Also ich glaube, wir, die wir hier sitzen, sind open minded. Ich merke in Deutschland immer mehr, dass Frauen öffentlich sagen, ich bin in den Wechseljahren, zum Beispiel Heidi Klum. Ich finde, das ist ein Fortschritt. Aber wir müssten noch viel mehr tun. Ich hätte gern, dass die wichtigen Informationen darüber auch die Frauen erreichen, die keinen so guten Zugang haben und dass sie wissen, wo sie Hilfe kriegen. Und: Ich erlebe immer wieder, dass Ärzte sich weigern, Hormone zu verschreiben oder sagen, da muss man einfach durch. Wir leben im Jahr 2026, und es gibt Mittel und Wege, dass man da nicht so „durch“ muss. Und Osteoporose ist eine sehr schlimme Krankheit, die man lange nicht merkt und die im Alter kommt. Deshalb müssen wir mehr darüber sprechen.
Wie haben Sie Ihren Weg durch die Wechseljahre gefunden?
Burkard: Bei mir war es tatsächlich so, dass ich nicht verstanden habe, dass ich in den Wechseljahren bin. Ich dachte, ich weiß alles über meinen Körper, ich bin informiert und so. Aber man denkt ja immer, Wechseljahre heißt: Die Periode bleibt aus, man hat Hitzewallungen... Aber es gibt ja die Perimenopause, und die beginnt zum Teil schon mit Mitte 40. Sie fängt mit Schlafstörungen an und mit einer sehr kurzen Reißleine. So war es bei mir. Ich habe mich eines Tages selbst nicht mehr erkannt. Am Anfang habe ich gedacht, ich werde verrückt. Dann bin ich in Köln in letzter Minute über einen Zebrastreifen gerast, eine Frau musste stark bremsen, ist ausgestiegen und hat mich angeschnauzt. Ich dachte, die knallt mir gleich eine. Ein Mann daneben sagte auf Kölsch: „Mädsche, mach dir nichts draus. Das ist so eine Furie in den Wechseljahren.“ Und da habe ich kapiert: Moment mal, das bin ich. Ich habe das! Am nächsten Tag war ich beim Arzt und ließ meinen Hormonspiegel messen. Erst habe ich es mit pflanzlichen Hormonen versucht, das hat bei mir nichts gebracht. Jetzt nehme ich Hormone. Das ist nichts für jede Frau, aber mir haben sie wirklich mein Leben zurückgegeben, mein altes Ich.
Ihre Töchter sind junge Frauen – was geben Sie Ihnen mit auf den Weg?
Burkard: Ich sage ihnen immer: Geht euren Weg – auch wenn er nicht geradlinig ist. Höhen und Tiefen gehören dazu, und mit beidem muss man umgehen können. Das Leben ist kein Ponyhof. Wir können unsere Kinder nur stark fürs Leben machen. Gerade heute ist es wichtig, dass sie resilient sind. Ich sehe meine Töchter da auf einem guten Weg. Und ich finde, man tut der Generation Z oft Unrecht – viele sind reflektiert, engagiert und stärker, als ihnen zugetraut wird. Ich selbst wäre früher gern selbstbewusster gewesen. Aber Selbstbewusstsein entsteht mit der Zeit – es ist ein Prozess, genauso wie die innere Entwicklung, die nie aufhört. Was ich jungen Frauen deshalb besonders mitgeben möchte: Seid netter zu euch selbst! Es muss nicht immer alles perfekt sein.
Sie sagen, Sie möchten auch noch mehr über sich selbst lernen. Was zum Beispiel?
Burkard: Mit dem Älterwerden kommen auch neue Herausforderungen. Irgendwann werde ich meinen Job aufgeben müssen – das kann ich mir noch kaum vorstellen. Ich hoffe, dass ich mir Neugier, Lebensfreude und Optimismus bewahre, auch in schwierigen Zeiten. Besonders wichtig ist mir, den Blick auf das Schöne zu behalten – zum Beispiel durch Dankbarkeit, die ich seit vielen Jahren täglich bewusst übe. Und man muss auch mal seine Komfortzone verlassen und etwas völlig Neues ausprobieren – wie etwa mein Comedy-Bühnenprogramm. Davor geht mir echt die Düse. Aber ich finde, man muss auch immer wieder Dinge tun, vor denen man Angst hat.