Soziale Netzwerke

Warum ich kein Strava benutze, obwohl ich seit zehn Jahren laufe

Ich laufe seit fast zehn Jahren, aber Strava benutze ich bewusst nicht. Warum mir der ständige Vergleich beim Sport irgendwann mehr Druck als Motivation gegeben hat. 

Strava gehört mittlerweile fast genauso zum Laufen wie gute Laufschuhe. Kaum jemand geht noch joggen, ohne danach seine Pace, Kilometer oder den Long Run zu posten. Und ehrlich: Ich verstehe total, warum so viele Menschen Spaß daran haben. Gerade in den letzten Jahren ist Laufen zu einer absoluten Trendsportart geworden und das ist eigentlich eine richtig schöne Entwicklung. Schließlich gehört Laufen zu den niederschwelligsten Sportarten überhaupt. Schuhe anziehen, rausgehen, loslaufen. Mehr braucht es oft nicht. Trotzdem benutze ich selbst kein Strava. Und das, obwohl ich seit fast zehn Jahren mehrmals die Woche laufe und auf Marathons hintrainiere.

Ich habe Strava ausprobiert und schnell gemerkt: Das tut mir nicht gut 

Warum ich kein Strava benutze, obwohl ich seit zehn Jahren laufe
© Getty Images

Natürlich hatte ich die App auch einmal heruntergeladen. Damals, als viele Funktionen noch kostenlos waren und Strava noch nicht ganz so extrem präsent auf Social Media war wie heute. Am Anfang fand ich es sogar motivierend: Die eigenen Läufe dokumentieren, Fortschritte sehen, Statistiken vergleichen. Aber ziemlich schnell habe ich gemerkt, dass sich etwas verändert. Der Spaß am Laufen wurde plötzlich ersetzt durch: Druck, Vergleiche, Leistungsdenken. Und irgendwann hatte ich ständig dieses Gefühl: „Was denken andere über meinen Lauf?“ 

Plötzlich fühlt sich jeder Lauf wie Leistung an

Bekannte fragten plötzlich: „Bin gespannt, wie deine Läufe so aussehen.“ Und genau da hat sich bei mir etwas verschoben. Denn eigentlich ist Laufen für mich ein Ausgleich. Ein Ort, an dem ich gerade NICHT bewertet werde. Doch durch Apps wie Strava wird selbst etwas so Persönliches und auch Tagesverfassungsabhängiges plötzlich öffentlich vergleichbar.

Man sieht:

  • wer schneller läuft
  • wer weiter läuft
  • wer mehr trainiert
  • wer den nächsten Marathon vorbereitet

Und gerade ehrgeizige Menschen müssen sich bewusst machen, was dieser permanente Vergleich mit einem machen kann. 

Der Wettkampf läuft plötzlich ständig mit 

Warum ich kein Strava benutze, obwohl ich seit zehn Jahren laufe
© Getty Images

Natürlich darf man stolz auf seine Leistungen sein. Und natürlich kann es motivierend sein, Fortschritte zu teilen oder andere Läufer:innen zu verfolgen. Aber: Der ständige Leistungsdruck kann dem eigentlichen Trainingszweck auch komplett entgegenwirken. Denn irgendwann geht es nicht mehr darum, wie sich ein Lauf anfühlt, sondern darum, wie er aussieht. Schneller. Weiter. Länger. Und genau dadurch entsteht oft etwas, worüber viel zu wenig gesprochen wird: Übertraining. 

Nicht jede Leistung muss öffentlich sein

Ich merke das auch bei mir selbst: Die Öffentlichkeit meiner Läufe würde meinen Ehrgeiz verstärken. Ich würde:

  • weiter laufen, als sinnvoll wäre
  • schneller laufen, obwohl mein Körper Ruhe braucht
  • und mich ständig vergleichen

Vor allem als Online-Redakteurin und Social-Media-Host bin ich ohnehin permanent online. Zahlen, Geschichten, Vergleiche und Kommentare begleiten meinen Alltag sowieso ständig. Deshalb brauche ich das Laufen genau als Gegenteil davon. Für mich bedeutet Laufen, Zeit ohne Bildschirm, ohne Kommentare, ohne Sichtbarkeit - Einfach nur ich und mein Kopf. 

Ja, meine Läufe existieren trotzdem digital

Warum ich kein Strava benutze, obwohl ich seit zehn Jahren laufe
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Natürlich tracke ich meine Läufe trotzdem. Aber in einer anderen App, in der ich nur meine eigenen Daten sehe. Ich weiß auch: Man kann Strava komplett privat nutzen und nichts teilen. Aber ich kenne mich selbst gut genug, um zu wissen: Ich möchte gar nicht erst in Versuchung kommen.

Müssen wirklich auch Sportleistungen sozial werden? Vielleicht ist genau das die eigentliche Frage: Brauchen wir soziale Netzwerke wirklich auch noch beim Sport? Denn inzwischen werden Dinge wie Marathons langsam fast normalisiert. Dabei ist ein Marathon eine riesige körperliche Leistung. Nicht jede:r läuft einfach mal „nebenbei“ 42 Kilometer. Dahinter stecken monatelanges Training, Disziplin und Belastung. Aber durch permanente Sichtbarkeit wirkt plötzlich alles alltäglich. 

Vergleich ist nicht immer Motivation

Ja, die eigene Entwicklung zu sehen, kann unglaublich motivierend sein. Aber jede:r sollte sich bewusst machen: Die ständige Vergleichbarkeit von Leistung ist nicht automatisch gesund. Vor allem nicht für Menschen, die ohnehin zu Ehrgeiz oder Perfektionismus neigen. Und genau deshalb laufe ich lieber ohne Strava. Nicht gegen andere. Sondern einfach nur für mich selbst.

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