Statt Applaus hagelt es Kritik: Bei der Männermodewoche in Mailand stehen die Luxuslabels Prada und Dolce & Gabbana wegen fehlender Diversität und problematischer Körperbilder massiv unter Beschuss. Social Media ist entsetzt.
Die Milan Fashion Week der Männer läuft auf Hochtouren - eigentlich eine Bühne für große Designs, neue Silhouetten und kreative Visionen. Doch dieses Mal reden alle über etwas ganz anderes: massive Kritik, hitzige Diskussionen und einen ordentlichen Social-Media-Shitstorm. Und der hat wenig mit Stoffen, Schnitten oder Farben zu tun.
Prada: Zu dünn, zu eng
Bei Prada entzündet sich die Debatte vor allem an der Körperdarstellung der Models. Die Looks: extrem körpernah, schmal geschnitten - präsentiert an sehr, sehr dünnen männlichen Models. Auf Social Media wird laut gefragt, warum Körperdiversität auf dem Runway weiterhin kaum eine Rolle spielt.
© Getty Images
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Der Begriff Heroin Chic, der eigentlich aus den 90ern stammt und lange als überwunden galt, macht schon länger wieder die Runde und zwar nicht nur auf Social Media, sondern auch wieder auf den Laufstegen dieser Welt. Viele empfinden die ästhetische Fixierung der Modewelt auf extrem schlanke Körper als überholt, problematisch und schlichtweg ermüdend. Kurz gesagt: Die Branche wirkt, als hätte sie aus früherer Kritik wenig gelernt.
Dolce & Gabbana: Null Diversität, null Verständnis
Noch deutlich schärfer fällt die Kritik an Dolce & Gabbana aus. Der Vorwurf: ein vollständig weißes Modelcasting. Kein einziges Schwarzes, asiatisches oder anderweitig nicht-weißes Model. In einer globalen Branche, im Jahr 2026. Das Internet ist entsprechend entsetzt.
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Zahlreiche Fashion-Influencer:innen, Journalist:innen und User:innen kritisieren die Entscheidung offen. Der Tenor: Vielfalt ist kein Trend, sondern eine Mindestanforderung. Und Dolce & Gabbana liefern, wieder einmal, das Gegenteil.
Ein Déjà-vu mit Geschichte
Was den Shitstorm zusätzlich befeuert: Für viele kommt das alles nicht überraschend. Dolce & Gabbana sind in der Vergangenheit immer wieder mit problematischen Entscheidungen aufgefallen. Wer ein bisschen gräbt, landet schnell im Jahr 2016, Stichwort „Slave Sandals“. Oder noch früher, 2012, als Models mit sogenannten „Blackamoor“-Ohrringen über den Laufsteg geschickt wurden.
Der Begriff und die Darstellung gelten heute als klar beleidigend, da sie Schwarze Menschen historisch als Diener oder Sklaven darstellen, selbst dann, wenn sie prunkvoll inszeniert sind. Dolce & Gabbana verteidigten sich damals mit dem Verweis auf sizilianische, maurisch inspirierte Kunst. Kritiker:innen merkten jedoch schon damals an: Kulturelle Referenz rechtfertigt keine stereotype Darstellung.
Und das sind nur zwei Beispiele von vielen.
Mailand und das alte Problem
Die Milan Fashion Week gilt seit Jahren als eine der am wenigsten diversen der großen Modewochen. Die aktuellen Shows scheinen dieses Image eher zu bestätigen als zu widerlegen. Während andere Städte zumindest sichtbar versuchen, inklusiver zu werden, wirkt die Modehauptstadt Italiens oft wie ein Ort, an dem alte Strukturen hartnäckig verteidigt werden.
Unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Kollektionen waren: Die Diskussion zeigt einmal mehr, dass Mode längst nicht mehr nur ästhetisch bewertet wird. Haltung, Verantwortung und Repräsentation sind Teil des Gesamtbilds. Und wer das ignoriert, bekommt heute schneller denn je die Quittung, direkt aus dem Kommentarbereich.