Zweiter Bulle im Stall reicht für Österreich

Red Bull überlegen

Zweiter Bulle im Stall reicht für Österreich

Salzburg stellte mit viertem Meistertitel en suite Austrias einsamen Rekord ein.

Dank eines Durchmarsches im Frühjahr hat Red Bull Salzburg mit dem vierten Meistertitel en suite einen 26 Jahre alten, bisher einsamen Rekord der Wiener Austria eingestellt. Und nichts deutet darauf hin, dass sich an der Dominanz der "Bullen" etwas ändert. Zwei Fragen freilich bleiben: Reicht es im zehnten Anlauf endlich für die Champions League? Und darf Salzburg überhaupt international spielen?

Diashow: So feierten die Bullen den Titel

So feierten die Bullen den Titel

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    Salzburg hat die Bundesliga eisern im Griff. Zum vierten Mal en suite, zum zweiten Mal unter Trainer Oscar Garcia und zum achten Mal in der nunmehr zwölf Saisonen währenden Red-Bull-Ära schlug der heimische Ligakrösus zu. Gemeinsam mit den drei Meisterschaften von Vorgängerverein Austria Salzburg hat der Club nun mit elf Triumphen in der "ewigen" Rangliste Innsbruck überholt und ist hinter Rapid (32) und der Wiener Austria (24) alleiniger Dritter. Mit einem Sieg im Finale gegen Rapid könnte man am 1. Juni auch den vierten Cupsieg en suite und damit gar das "Quadrupel-Double" holen.

    +++Rapid-Fans vernebelten Meisterparty+++

    Bei Salzburg kommt einiges nach
    Dass man in der Fußballsparte des Getränkeherstellers seit Leipzigs kometenhaftem Aufstieg nicht mehr der erste Bulle im Stall ist, hat am nationalen Alleingang - entgegen mancher Befürchtungen - nichts geändert. Dank Scouting und Nachwuchsausbildung auf internationalem Topniveau müssen Salzburgs Fans um diesen Status mittelfristig wohl auch nicht fürchten. Der Youth-League-Triumph mit Siegen gegen den FC Barcelona, Paris-St.-Germain, Manchester City oder Atletico Madrid unterstrich die Kapazitäten im Nachwuchs eindrucksvoll. Hinzu kommt die "Spielwiese" Erste Liga, wo Tochterverein FC Liefering auch in seiner vierten Saison einen Top-Vier-Platz sicher hat.

    Ein Makel bleibt freilich: Der Champions-League-Fluch, der sich nach neun gescheiterten Anläufen längst zum Trauma ausgewachsen hat. Das bittere Aus im Play-off der Qualifikation gegen Dinamo Zagreb brachte Salzburg einmal mehr Hohn, Spott, aber auch Mitleid ein. In der Folge verpasste man in einer schweren Europa-League-Gruppe mit Schalke 04, FK Krasnodar und OGC Nizza den Aufstieg knapp und war zum zweiten Mal in Serie im Frühjahr nicht mehr international vertreten.

    Verlust zahlreicher Schlüsselspieler
    Auf heimischer Bühne hingegen lieferte der Favorit nach Startschwierigkeiten eine letztlich souveräne Saison ab. In der elften Runde noch neun Punkte hinter Sturm Graz liegend, übernahm man in der 21. Runde erstmals die Tabellenführung und gab diese nicht mehr aus der Hand. Die millionenschweren Abgänge von Schlüsselspielern wie Naby Keita, Bernardo, Martin Hinteregger und im Februar Torgarant Jonatan Soriano wurden dabei erfolgreich kompensiert. Auch der Umstand, dass Neuverpflichtungen wie Marc Rzatkowski, Stefan Stangl, Munas Dabbur oder Fredrik Gulbrandsen glück- bzw. farblos blieben, steckte man weg.

    Trainer Oscar Garcia, der im Winter 2015/16 übernommen hatte, musste seine Flexibilität immer wieder unter Beweis stellen. Den Frust über diverse Abgänge konnte er zeitweise kaum verbergen, auch das Verhältnis zu Sportdirektor Christoph Freund war zwischenzeitlich von atmosphärischen Spannungen geprägt. Doch der 44-jährige arrangierte sich mit der Situation und akzeptierte den Status als "Ausbildungstrainer" auf hohem Niveau.

    Garcia als Erfolgsgarant
    Im Lauf der Saison setzte er dank eines breiten Kaders kaum zweimal auf dieselbe Aufstellung, verordnete seiner jungen Truppe unterschiedliche Ausrichtungen und fand fast immer die richtigen Lösungen. Der Spanier hat Salzburg zudem eine bombensichere Defensive verpasst, die bis Samstag in 33 Spielen nur 22 Gegentore kassiert hat. Gemessen am Punkteschnitt spielt Oscar in einer Liga mit dem in dieser Kategorie bisher erfolgreichsten Coach Roger Schmidt. Unter dem Deutschen holte Salzburg in 99 Partien im Schnitt 2,24 Punkte pro Spiel, beim ehemaligen FC-Barcelona-Profi sind es nach 69 Matches (inklusive Samstag) 2,22.

    Welches Personal dem Katalanen in der kommenden Saison zur Verfügung steht, darf mit einiger Spannung erwartet werden - mit Valon Berisha und ÖFB-Teamkicker Konrad Laimer könnten ihm gerüchteweise zwei weitere Leistungsträger abhandenkommen. Selbst hinter seiner eigenen Personalie steht ein - kleines - Fragezeichen.

    Offen ist auch noch, ob der europäische Fußballverband (UEFA) im Sinne des Financial Fairplay und der Wettbewerbsintegrität die Aktivitäten von Red Bull in Salzburg und Leipzig goutiert. Geht es nach den Clubverantwortlichen an beiden Standorten, muss man sich darum aber keine Sorgen machen. Die Entflechtung der Strukturen sei ebenso abgeschlossen wie die finanzielle Unabhängigkeit garantiert, betont man da wie dort, dass beide Clubs am Europacup teilnehmen dürfen.