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Heftige Kritik

Stickler greift Teamspieler massiv an

Der ÖFB-Präsident ist sehr beunruhigt. Er kündigt ein Gespräch mit Teamchef Brückner noch für diese Woche an.

Eine Woche nach dem Ende der realistischen Hoffnungen auf eine Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika hat ÖFB-Präsident Friedrich Stickler massive Kritik an den Spielern geäußert und ein Gespräch mit Teamchef Karel Brückner angekündigt. "Diese Entwicklung ist absolut unerfreulich, unbefriedigend und so nicht akzeptabel. Ich bin wirklich sehr verärgert und enttäuscht", betonte der ÖFB-Präsident nach den Pleiten gegen die Färöer (1:1 auswärts) und Serbien (1:3 in Wien).

Spieler in die Pflicht genommen
Stickler war in den vergangenen Tagen beruflich und privat im Ausland und nahm am Mittwoch erstmals ausführlich Stellung. Während er über die anstehenden Gespräche mit dem tschechischen Trainer Brückner wenig sagen wollte, nahm er die Spieler in die Pflicht. "Die Qualifikation hat mit dem überraschenden Ergebnis gegen Frankreich großartig begonnen, aber dann ist es wirklich abgerissen. Ich will massive Kritik an der Einstellung des einen oder anderen Spielers üben. Wenn man zur WM will, kann man sich so nicht präsentieren", erläuterte Stickler verärgert.

"Die Vorstellung gegen die Färöer war für mich nicht nachvollziehbar. Wir wissen, dass das Wetter schlecht ist, aber wir hätten trotzdem gewinnen müssen. Sie haben Wiedergutmachung gegen Serbien versprochen, das habe ich so nicht gesehen. Ich bin sehr beunruhigt", meinte der ÖFB-Präsident, der mit dem Spielerrat die Diskrepanz zwischen den Ankündigungen davor und den Leistungen auf dem Rasen ergründen will.

Prämien bleiben wohl
"Wenn einer der Meinung ist, dass es sich nicht lohnt, für dieses Land zu spielen, soll er es sagen und nicht die Antwort auf dem Platz geben", erklärte Stickler. Dass diese Enttäuschungen mit einer Auswahl voller Legionäre, wie in den vergangenen Jahren oft gehofft, passiert ist, kann er noch weniger begreifen. Auf der Prämienseite (es gibt bescheidenes Antrittsgeld) will der Präsident derzeit nicht aktiv werden.

Treffen Stickler-Brückner
In die Kritik ist aber auch Karel Brückner geraten. Nicht nur der Ergebnisse wegen, sondern auch, weil er das Team quasi aus seiner Heimat leitet und nicht oft in österreichischen Stadien zu sehen ist. In den "nächsten zwei, drei Tagen" wird es daher ein Meeting zwischen Stickler und Brückner geben. "Die Entwicklung jetzt ist eindeutig ein Rückschritt. Ich habe eine junge Mannschaft gesehen, die viel Potenzial hat, aber dass dieses Potenzial in der Qualifikation auf den Boden gekommen ist. Ich will Aufschluss über seine Einschätzung bekommen", kündigte der ÖFB-Chef an. Angesprochen soll auch werden, dass der Cheftrainer zu wenig Kontakt zu den Clubs und Spielern hält.

Keine Trennung
Eine Trennung von Brückner scheint nicht in Sicht. "Wir sind mit diesem Mann noch nicht einmal zwei Monate im Amt. Man kann nicht immer einen neuen Teamchef bestellen. Wir müssen nachdenken, ob die Erwartungen mit der Realität übereinstimmen", sagte Stickler. Dass bei einer Präsidiumssitzung am 7. November Gegenwind aus den Ländern zu erwarten ist, hat der Präsident gelesen und gehört, "aber mir hat noch keiner meiner Kollegen gesagt, Brückner gehört weg". Die "spontane Entrüstung" verstehe er aber.