Beste Ski-Nation: ÖSV ortet aber Problem

Die Hintergründe

Beste Ski-Nation: ÖSV ortet aber Problem

Peter Schröcksnadel bilanziert zufrieden. Ein Problem gibt es allerdings.

Schon vor dem abschließenden Teambewerb hatte Österreich bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang gewonnen. Am Samstag kam noch Silber dazu. Michael Matt, Marco Schwarz, Manuel Feller, Katharina Gallhuber, Katharina Liensberger sowie die nicht zum Einsatz gekommene Stephanie Brunner verloren erst im Finale gegen die Schweiz.

Damit eroberte das Alpin-Team insgesamt sieben Medaillen: drei Mal Gold, zwei Mal Silber, zwei Mal Bronze. ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel nahm dies mit Genugtuung zur Kenntnis. "Das ist für uns schon ein wichtiger Faktor", sagte der Tiroler. Auch wenn man insgesamt als Verband gegen die Norweger keine Chance habe: Schröcksnadel freut speziell, dass man trotz des ungewohnten Korea-Schnees dank der drei Goldmedaillen von Marcel Hirscher (2) und Matthias Mayer (1) die Nase vorne hat.

Eine weitere hatte bekanntlich Anna Veith im Super-G um nur eine Hundertstel an die Snowboarderin Ester Ledecka weitergeben müssen. "Das ist schon sehr erfreulich. Dass wir so viele Goldene machen, damit war wirklich nicht zu rechnen", meinte Schröcksnadel.

Dabei war durch Hirschers Ausfall im Slalom die "wahrscheinlichste" Goldene sogar ausgeblieben. "Das ist eben der Sport. Marcel hat das Kommen gesehen. Er ist die ganze Woche mit dem Material nicht zusammengekommen. Aber auch die anderen drei nicht." Schröcksnadel hatte jedenfalls vollstes Verständnis, dass Hirscher für den Teambewerb nicht mehr zur Verfügung stand. "Das stört mich überhaupt nicht."

Trockener Schnee bereitet Sorgen

Dass auch in Korea offensichtlich wurde, dass man mit dem trockenen, aggressiven Kunstschnee wie er sonst auch in Nordamerika oder Skandinavien anzutreffen ist, eher schlecht zurande kommt, ist für den Präsidenten keine große Überraschung. "Das ist so, weil wir dort nicht aufwachsen. Wir sind unsere Verhältnisse gewohnt. Und die Verhältnisse, die hier entstehen, haben wir einfach nicht sehr oft. Man kann das also nur schwer testen."

Der Präsident fürchtet deshalb ein wenig, dass dieser seit Jahrzehnten bekannte Nachteil die Alpinski-Asse auch bei der kommenden Weltmeisterschaft in Schweden einholen wird. "Das wird in Aare das Gleiche sein", glaubt Schröcksnadel, dass die Titelkämpfe 2019 ähnlich schwierig verlaufen werden.

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"Du hast wenig Zeit im Winter auf diesem speziellen Maschinenschnee zu trainieren, weil du da auf Tour bist. Und vorher ist da keiner. Das ist eben der Nachteil, weil die anderen wachsen darauf auf", erklärte Schröcksnadel das Problem.

"Wir arbeiten an diesem Thema"

Weil man aber im ÖSV selten etwas dem Zufall überlässt, wird das Forschungs- und Innovations-Team unter Toni Giger das kommende Weltcup-Finale im März nutzen, um in Aare Erkenntnisse für die nächsten Weltmeisterschaften zu gewinnen. "Wir arbeiten ständig an diesem Thema", versicherte Schröcksnadel. "Aber so Verhältnisse wie beim Olympia-Herren-Slalom in Korea hat es eben nur alle drei, vier Jahre. Selbst in Vail (Colorado, Anm.) ist das nicht immer gleich. Die Frage ist immer, wie trocken es ist."

Das Problem sei ganz speziell, sogar von Disziplin zu Disziplin unterschiedlich. "Im Slalom sind die Ski so kurz, haben mehr Taillierung und greifen mehr. Dort spielt das alles eine viel größere Rolle als etwa im Riesentorlauf." Mit den Spielen 2018 an sich war der auch als ÖOC-Vizepräsident fungierende Schröcksnadel im Großen und Ganzen zufrieden.

"Das Setup und die Organisation, alles war super. Die Sportstätten waren toll, lagen relativ eng beieinander, es war nicht weit zu reisen", gab der Tiroler den Veranstaltern gute Noten. Gar nicht gefallen haben ihm hingegen die wenigen Zuschauer, vor allem im Mountain Cluster. "Das war schwach. Echt schade."