Nächster Kronzeuge packt aus

Neue Doping-Bombe

Nächster Kronzeuge packt aus

Knalleffekt in der Doping-Affäre. Ein neuer Zeuge spricht, für die bisher Beschuldigten wird es jetzt eng. Gegen die erste Kronzeugin Lisa Hütthaler gibt es schwere Vorwürfe.

Seit Sonntag gibt es einen zweiten „Kronzeugen“, der in ÖSTERREICH über die Hintermänner der Doping-Szene auspackt. Eine neue Verhaftungswelle könnte bevorstehen.

Ihre Meinung zum Doping-Skandal

Der Fitnesstrainer und Radrennfahrer Michael Dimmel bestätigt im ÖSTERREICH-Interview (siehe unten) die schweren Anschuldigungen seiner Ex-Freundin, der Triathletin Lisa Hütthaler, auf Punkt und Beistrich. Und er bringt neuen Zündstoff im Doping-Beben aufs Tapet.

  • Wieder Matschiner . Dimmel kann die Vorwürfe seiner langjährigen Ex-Freundin Hütthaler gegen den höchst umstrittenen Sportmanager Stefan Matschiner bestätigen, dessen umfangreiches Netzwerk in der Szene ÖSTERREICH gestern erstmals im Detail aufgezeigt hat. Hütthaler hatte behauptet, sie habe ihre Doping-Mittel in erster Linie über Matschiner bezogen.
  • Arzt im Visier. Dimmel bestätigt auch, dass der Wiener Arzt Andreas Zoubek (vom St.-Anna-Kinderspital mittlerweile suspendiert) der Sportlerin Hütthaler EPO gespritzt haben soll. Zumindest habe ihm das seine damalige Freundin haargenau so geschildert. Auch der Kontakt zu Matschiner sei über Zoubek hergestellt worden.
  • Angriff auf Hütthaler. Die schweren Vorwürfe Hütthalers gegen ihn selbst dementiert Dimmel wenig überraschend. Die 25-Jährige sagte über ihn: „Bei meinem Ex-Freund ist immer alles zu Hause herumgestanden. Da sind die Insulin-Spritzen gelegen, da war Ephedrin, der hatte das EPO im Kühlschrank gelagert.“ „Stimmt alles nicht“, sagt der Beschuldigte jetzt. Vielmehr sei es Lisa Hütthaler selbst gewesen, die sich unglaublich für Doping interessiert habe, die Spritzen hätten ihr selbst gehört.
  • Bestechungs-Versuch. Und er legt nach. Hütthaler droht ja ein Strafprozess wegen versuchter Bestechung. Sie soll im Mai 2008 im Zentrum Seibersdorf versucht haben, eine Mitarbeiterin mit 20.000 Euro zu bestechen. Dimmel bestätigt das: „Sie hatte das Geld schon draußen im Auto liegen. Im Labor hatte sie nur zwei Sekunden Zeit, mit der Mitarbeiterin zu sprechen. Sie hat ihr zugeflüstert: 20.000 Euro. Nichts ist passiert. Später wurde sie dann angezeigt.“

Nächste Seite: Das ÖSTERREICH-Interview mit Michael Dimmel

Wenige Tage nach dem Doping-Outing von Lisa Hütthaler (25) spricht ihr Ex-Freund Michael Dimmel (44) über die Hintergründe.

ÖSTERREICH: Was sagen Sie zum Outing Ihrer Ex-Freundin?

Michael Dimmel: Es war sehr berechnend, total kalkuliert. Die Lisa wollte auf armes Mädchen tun. Keine Ahnung, ob sie dafür Geld bekommen hat. Tatsache ist, dass Lisa clean wieder mit dem Triathlon anfangen möchte, und dazu braucht sie viel Geld und neue Sponsoren. Denn der einzige Sponsor den sie zurzeit hat, ist ihr Freund.

ÖSTERREICH: Pikanterweise ein Mitarbeiter aus dem Forschungszentrum Seibersdorf, wo Lisa positiv getestet wurde...

Dimmel: Sie hat sich immer total an das gehalten, was ich ihr gesagt habe. Auch das mit Seibersdorf war meine Idee, so hat sie dort bewusst jemand kennengelernt. Sie ist ja ein hübsches Mädchen und kann jeden Mann um den Finger wickeln. Aber dass das für mich so bitter enden würde, damit habe ich nicht gerechnet.

ÖSTERREICH: Lisa behautet, dass Sie sie zum Doping gebracht hätten, dass ihr Lieferant in erster Linie der Sport-Manager Matschiner war. Was sagen Sie dazu?

Dimmel: Das mit dem Matschiner, das stimmt. Aber warum zieht sie mich da mit rein? Ich hab ihr nichts getan. Als Spitzensportler musst du berechnend sein, du musst quasi alle benutzen. Das hab’ ich ihr gelernt. Leider habe ich vergessen zu sagen, dass für den eigenen Freund andere Regeln gelten sollten...

ÖSTERREICH: Wie hat Ihre Beziehung funktioniert?

Dimmel: Ich war sechs Jahre ihr Rundum-Betreuer, ich habe ihr Geld gegeben, und sie hat durch mich einen Job bekommen. Dann wurde sie erfolgreich und größenwahnsinnig. Jetzt stellt sie mich in meinem Freundeskreis und in der Öffentlichkeit so dar, als wenn ich ihr Spritzen gegeben hätte oder so. Wir haben uns 2002 kennengelernt, und das erste Mal richtig gedopt hat sie 2003. Ihr Hauptproblem war, dass sie zu schwer war, und dass sie ständig abnehmen wollte.

ÖSTERREICH: Wie hat sie begonnen, gezielt zu dopen?

Dimmel: Über Zoubek, einen Fanatiker, den wir auf Hawaii kennengelernt haben. Ich glaube, er hat von der Lisa nie was verlangt. Sie ist hübsch, er wollte präsent sein, und auf einmal war er wer. Er hat ja bis jetzt nur Hobbysportler gehabt und auch bald erkannt, dass das eine Gute wird, so eine richtig Gute. Sie war ja ein Riesentalent mit unglaublichen körperlichen Werten. Ihr Ruhepuls zum Beispiel geht innerhalb von 35 Sekunden von 150 auf 59 runter.

ÖSTERREICH: Haben Sie Ihrer Freundin Dopingspritzen gesetzt?

Dimmel: Nein, das macht der Sportler ganz freiwillig. Insulin zum Beispiel spritzt man sich in den Bauch. Es ist aber nie so, dass Sportler zum Doping überredet werden. Es ist auch nicht so, dass der Apotheker hergeht und sagt: Bitte kauf mir EPO ab, das passiert nicht. Und mir war immer bewusst, dass wir zuerst einmal richtig trainieren müssen. Was nutzt es einer untrainierten Sportlerin, wenn sie sich EPO spritzt? Das ist ja absurd.

ÖSTERREICH: Sie meinten, Lisa hätte ein profundes Wissen über Doping. Wie hat sie sich das angeeignet?

Dimmel: Sie hatte viele Gespräche mit Zoubek, über den hat sie sich das Wissen angeeignet. Sie hat nur mehr für den Sport gelebt, und darunter hat auch unsere Beziehung gelitten.

ÖSTERREICH: Wäre es auch ohne Doping gegangen?

Dimmel: Nein, wir haben schnell gesehen, dass sich die meisten Spitzensportler dopen, und mir ist es um Chancengleichheit gegangen. Ich finde es auch nicht unrecht, weil in unserer Gesellschaft wird einfach gelogen. Auch Robbie Williams steht sicher nicht clean auf der Bühne. Das ist so.

ÖSTERREICH: Haben Sie auch selbst mit EPO gedopt?

Dimmel: Ja, ich habe es probiert, und es ist mörderisch. Du steigst sicherlich um zwei Klassen auf. Ohne geht es in einer gewissen Leistungskategorie nicht.

ÖSTERREICH: Welche Rolle hat Stefan Matschiner in Lisas Leben gespielt?

Dimmel: Kennengelernt hat ihn Lisa über Dr. Zoubek. Von ihm hat sie das volle Programm bekommen: mit Blutwäschen.

ÖSTERREICH: Stimmt es, dass Sie Lisa zu Matschiner nach Oberösterreich gebracht haben?

Dimmel: Ich habe sie zweimal zu ihm außerhalb von Linz geführt, hab gewartet, und sie ist nach eineinhalb Stunden rausgekommen. Beim ersten Mal war sie total schockiert, als sie ihr das Blut rausgezogen haben. Das erste Mal ist sie danach weinend im Auto gesessen, das zweite Mal war es schon ganz normal.

ÖSTERREICH: Hatte Lisa Kontakt zu Bernhard Kohl?

Dimmel: Ja, sie haben immer wieder telefoniert. Sie hatten ein gutes Verhältnis miteinander.

ÖSTERREICH: Wird Kohl ein Comeback schaffen?

Dimmel: Nein, da bin ich mir sicher. Der hat damit abgeschlossen. Es gibt viele, die fahren wegen des Geldes und manche, die sind halt wirklich mit Herz Radfahrer, und so einer ist Kohl. Aber clean wird er nie wieder vorne mitfahren.

ÖSTERREICH: Hat Lisa eine Chance, clean zurückzukommen?

Dimmel: Nein, denn wenn du vorne mitfahren willst, gibt es in ihrer Gewichtsklasse – sie ist einfach zu schwer – keine Alternative zum Doping. Sie wird es ein Jahr lang probieren und dann sehen, dass es nicht geht. So leid es mir tut, das zu behaupten: Ohne Doping wird sie nie wieder einen Triathlon gewinnen.