Urteil erwartet

Tanker-Kapitän von russischer Schattenflotte droht Haft

Urteil in Frankreich erwartet - Staatsanwaltschaft fordert ein Jahr Haft und 150.000 Euro Geldstrafe

In Brest wird am Montag das Urteil gegen den Kapitän des von Frankreich vorübergehend festgesetzten Öltankers "Boracay" erwartet, der der russischen Schattenflotte zugerechnet wird. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr Haft und 150.000 Euro Geldstrafe für den chinesischen Kapitän gefordert. Ihm wird vorgeworfen, offizielle französische Anweisungen nicht befolgt zu haben, als französische Seestreitkräfte den Tanker Ende September vor der bretonischen Küste aufbrachten.

Der Kapitän, der auf See unterwegs ist, erschien nicht selbst vor Gericht, sondern ließ sich von einem Anwalt vertreten. Der erklärte, das westfranzösische Gericht sei nicht zuständig, da die Marine den Tanker in internationalen Gewässern aufgebracht habe. Der Tanker wurde laut Staatsanwaltschaft der russischen Schattenflotte zugerechnet. Damit sind Tanker und Frachtschiffe gemeint, die Russland zum Vermeiden von Sanktionen etwa beim Öltransport einsetzt. Die "Boracay" transportierte nach Vermutung der Staatsanwaltschaft Öl von Russland nach Indien. Sie konnte ihre Fahrt nach einigen Tagen fortsetzen.

Nicht Gegenstand des Gerichtsverfahrens sind Mutmaßungen, wonach der Tanker zuvor beim Passieren der dänischen Küste in Drohnen-Störfälle verwickelt gewesen sein könnte. Diese führten vor allem in der Hauptstadt Kopenhagen zu erheblichen Einschränkungen des Flugverkehrs. Die EU warnt schon länger davor, dass Schiffe der Schattenflotte als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder Spionageangriffe genutzt werden können.

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