MODE-TRENDS

Federn, Buttergelb & XXL-Blüten: Diese Trends der Paris Couture Woche tragen wir bald

© WireImage
Haute Couture besteht aus handgefertigten Einzelstücken und ist nicht dafür gemacht, eins zu eins kopiert zu werden. Trotzdem zeigt die Couture Week in Paris ziemlich zuverlässig, welche Farben, Silhouetten und Details bald den Mainstream bestimmen. Wir haben die wichtigsten Fashion-Codes für Herbst und Winter 2026 entschlüsselt.
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Bei den regulären Fashion Weeks ist die Sache relativ klar: Taucht ein bestimmter Schnitt, eine Farbe oder ein Material bei mehreren Labels auf, wird daraus ein Trend. Haute Couture funktioniert anders. Die Looks sind Unikate, werden in Hunderten Arbeitsstunden gefertigt und sollen vor allem zeigen, was technisch und kreativ möglich ist. Tragbarkeit steht dabei nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste.

Und trotzdem lohnt sich der Blick nach Paris. Denn auch wenn Gigi Hadids riesiger Federkokon von Balenciaga vermutlich nicht plötzlich in der U-Bahn auftauchen wird, sickern die Ideen der Couture in abgeschwächter Form zuverlässig in die Ready-to-wear-Kollektionen und schließlich zu den High-Street-Marken durch. Die Couture Week für Herbst/Winter 2026/27 setzte vor allem auf Fantasie, Natur, skulpturale Formen und neue Materialien.

1. Federn sind zurück – aber nicht mehr nur glamourös

Der wahrscheinlich offensichtlichste Couture-Trend der Saison: Federn. Bei Pierpaolo Picciolis Couture-Debüt für Balenciaga erschien Gigi Hadid in einem schwarzen, nahezu körperlosen Federkokon. Statt klassischem Old-Hollywood-Glamour wirkte der Look düster, voluminös und fast ein wenig animalisch.

Gigi Hadid © Getty Images

Auch rund um die Schiaparelli-Show waren Federn präsent: Emma Corrin trug eine pastellfarbene Federjacke mit surrealistischen Klauen-Details.

Emma Corrin © Getty Images

2. Butter Yellow bleibt – laut Bad Bunny

Wer gehofft hatte, Buttergelb würde nach zwei Sommern wieder verschwinden, muss jetzt sehr stark sein: Der sanfte Gelbton bleibt. Bad Bunny erschien zu seiner ersten Couture Week in einem maßgeschneiderten Schiaparelli-Anzug in cremigem Buttergelb und zeigte damit, dass die Farbe längst mehr kann als süße Sommerkleider.

Bad Bunny © Getty Images

Der entscheidende Unterschied zur vergangenen Saison: Butter Yellow wird erwachsener. Weniger Cottagecore, mehr Power Dressing. Wir erwarten den Ton im Herbst bei Oversize-Blazern, Strickpullovern, fließenden Hosen und Slip Dresses. Wer sich nicht an einen Komplettlook wagen möchte, beginnt mit einer buttergelben Tasche oder spitzen Pumps.

3. Blumen werden dreidimensional

Florals im Herbst? Groundbreaking – diesmal aber tatsächlich. Matthieu Blazy verwandelte seine Chanel-Couture-Show in ein modernes Märchen mit überdimensionalen Pflanzen, magischen Bohnenranken, flatternden Schmetterlingen und aufwendig gearbeiteten Blüten. Die Blumen waren nicht einfach auf Stoff gedruckt, sondern wirkten plastisch, verwunschen und beinahe lebendig.

Chanel © Corbis via Getty Images

Genau darin liegt die neue Richtung: Klassische Blumenprints machen Platz für 3D-Applikationen, Stickereien, Blütenbroschen und florale Accessoires. Bald dürften wir Cardigans mit aufgesetzten Stoffblumen, Choker in Blütenform und Taschen mit floralen Details sehen. Romantik ist wieder da – allerdings weniger brav und deutlich fantasievoller.

4. Die Silhouette nimmt mehr Raum ein

Quiet Luxury war gestern – zumindest, wenn es nach der Couture geht. Bei Balenciaga entstanden große Ballonformen und Cocoon-Silhouetten, während Duran Lantink bei Jean Paul Gaultier historische Hofmode, Marie Antoinette und übertriebene Proportionen durch einen modernen, ironischen Filter schickte. Hüften wurden verbreitert, Röcke schwebten vom Körper weg und Volumen tauchte genau dort auf, wo man es nicht erwartete.

Balenciaga © WWD via Getty Images

Auf der High Street wird daraus eine tragbarere Version: Bubble-Hem-Röcke, ballonartige Jacken, Cocoon-Mäntel, skulpturale Ärmel und Tops mit ausgeprägter Hüftpartie. Die Mode will wieder gesehen werden und darf dafür auch etwas mehr Platz beanspruchen.

5. Plissee wird zur Skulptur

Jonathan Anderson behandelte Stoff bei Dior fast wie ein bildhauerisches Material. Inspiriert von der Künstlerin Lynda Benglis arbeitete er mit Falten, Knoten und Drapierungen, durch die flache Textilien dreidimensionale Formen annahmen. Einige Kleider und Röcke wirkten wie aufgefächerte Akkordeons, andere schienen um den Körper modelliert worden zu sein.

Dior © Getty Images

Das bedeutet: Plissee bleibt, wird aber weniger ladylike. Statt des klassischen Midi-Faltenrocks erwarten uns asymmetrische Plissee-Kleider, drapierte Tops, geraffte Säume und Fächerdetails. Besonders relevant dürften Pieces werden, die sich beim Gehen verändern und Bewegung erzeugen.

Das große Couture-Fazit

Die wichtigste Botschaft aus Paris lautet: Nach Jahren des Minimalismus kehrt die Fantasie zurück. Kleidung darf wieder dekorativ, dramatisch und ein bisschen unvernünftig sein. Federn ersetzen schlichte Säume, Blumen wachsen aus Kleidern heraus und Silhouetten werden bewusst überzeichnet.

Natürlich werden wir die meisten Couture-Looks niemals exakt so tragen. Aber ihre Codes sind bereits klar: Buttergelb bleibt, Federn werden zum neuen Party-Detail, 3D-Blüten lösen einfache Florals ab und Volumen verdrängt hautenge Einheitslooks. Genau diese Elemente dürften uns schon bald bei ZARA, Mango & Co. begegnen – nur eben ohne Couture-Preisschild.

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