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Lindsey Vonn: „Ich bin nicht verrückt!“ – Erstes Interview nach dem Horror-Unfall

Es war der Schrei, der eine ganze Nation markerschütternd durchfuhr. In ihrem ersten großen Interview nach dem verhängnisvollen Drama von Milano-Cortina spricht Lindsey Vonn nun so offen wie nie zuvor. 

Die Bilder vom Februar 2026 haben sich in das kollektive Gedächtnis des Skizirkus eingebrannt. Lindsey Vonn, die Frau, die das Wort „Aufgeben“ zeitlebens aus ihrem Vokabular gestrichen hatte, lag im Schnee von Cortina d’Ampezzo. Es war kein gewöhnlicher Sturz; es war das jähe Ende eines Traums, der nur neun Tage vor den Olympischen Spielen in Crans-Montana mit einem Kreuzbandriss seinen Anfang nahm.

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„Ich bin nicht verrückt“

Während Experten und Medien ihr bereits damals das Karriereende attestierten, pflegte Vonn ihre ganz eigene Form von Resilienz. „Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann“, stellt sie im Gespräch mit der Vanity Fair klar. Sie kämpfte sich zurück, trotzte der Biologie und stand tatsächlich am Start jener Abfahrt, die ihre Krönung werden sollte. Doch das Schicksal hatte ein anderes Drehbuch geschrieben.

Nur 13 Sekunden dauerte die Fahrt, die in einer Katastrophe endete. Ein Schlag, ein hängengebliebenes Tor – und die Bindung, die in diesem entscheidenden Moment nicht auslöste. Ihr Körper wurde wie ein Korkenzieher verdreht, während sie mit Renntempo den Hang hinunterraste. Die Schreie, die selbst über die TV-Mikrofone von NBC weltweit zu hören waren, kündeten von mehr als nur physischem Schmerz. Die Diagnose: Schienbein, Wadenbein und Knöchel gebrochen. Ein Trümmerhaufen.

 


 

Der Kampf gegen das Vergessen

Was Vonn jedoch fast mehr schmerzt als die fünf folgenden Operationen, ist die selektive Wahrnehmung der Öffentlichkeit. „Ich möchte nicht, dass die Leute sich auf diesen Sturz fixieren und mich nur dafür in Erinnerung behalten“, sagt sie mit einer Mischung aus Trotz und Wehmut. 

In der Tat verblasst hinter den dramatischen Sturzbildern oft die sportliche Brillanz, die sie kurz zuvor noch an den Tag gelegt hatte. Sie führte die Abfahrtswertung an, sie dominierte den Weltcup nach Belieben. „Niemand erinnert sich daran, dass ich gewonnen habe“, klagt die Amerikanerin an. 

 


 

Das Ende einer Ära?

Seit Milano-Cortina herrschte Funkstille. Während die Paparazzi jede ihrer Bewegungen vor den Kliniken verfolgten, zog sich Vonn zurück, um ihren Körper und ihre Seele zu flicken. Auf die alles entscheidende Frage, ob dies nun endgültig der Abschied von der professionellen Rennpiste war, bleibt sie kryptisch, aber realistisch.

Das aktuelle Cover-Shooting zeigt sie ungeschminkt mit den Narben ihres Sports – ein Denkmal für eine Karriere, die durch schiere Willenskraft definiert war. Ob das Knie eine Rückkehr in den Weltcup-Zirkus noch einmal zulässt, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Lindsey Vonn wird sich nicht über einen Sturz definieren lassen, sondern über den Mut, danach immer wieder aufgestanden zu sein.

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