"Hummelhirn" ist das neue Buch von Judith Holofernes.
Beim Singen hat sie seit einiger Zeit massive Probleme, daher kann Judith Holofernes, ehemalige Frontfrau der deutschen Band Wir sind Helden („Gekommen um zu bleiben“, „Denkmal“) und zuletzt Solosängerin, nicht mehr auftreten. Holofernes, die seit Jahren Gedichte verfasst und auf ihrem Blog veröffentlicht, hat nun nach Die Träume anderer Leute mit Hummelhirn ihr zweites autobiografisches Buch veröffentlicht. Darin dreht sich nun alles – im Gegensatz zu ihrem ersten Buch, das auch von ihren Kindern und Mutterschaft beim Tourleben handelt – um ihre eigene Kindheit und Jugend und wie ihr Aufwachsen sie noch heute prägt.
People-Pleaserin
Holofernes outet sich zu Beginn vehement als Ja-Sagerin, eine People-Pleaserin sei sie und erklärt, dass sie sich nur auf der Bühne erlaubt habe, dass sich die Welt um sie drehe. Dabei war das vielleicht nicht immer so. Auf Kinderfotos entdeckt die Autorin einen kritischen Blick an sich selbst und schon der Start ins Leben war ein anderer als ausgemalt: Statt im heimischen Bett musste sie im Krankenhaus aus dem Körper ihrer Mutter „gefriemelt“ werden. Zu Hause, das waren Wohngemeinschaften, die öfter wechselten und in denen schon mal Übernachtungsgäste morgens in der Badewanne gefunden wurden.
Judith eckte in vielerlei Hinsicht an
Das titelgebende Hummelhirn bezieht sich auf ein Dasein, das damals nicht ins Konzept gepasst hat; Judith eckte nicht nur in übertragener Weise an, stieß sich oft beim Aufwachsen. Es drängt sich der Vergleich des Buches mit Liedern von Wir sind Helden auf: Tiefgründig, aber nicht schwer fühlt sich das Lesen an. Auch in Verfehlungen (der Erwachsenen) kann das „komische Kind“ etwas für sich (oder die Therapie) mitnehmen.
Starke Stimme
Judith ist in ein hippie-eskes Kuddelmuddel hereingeboren worden, aus dem sich bestimmt viel Künstlerisches schöpfen ließ. Und so verwundert es nicht, dass ihre literarische Stimme stark ist wie einst ihre Singstimme.