Mit einem dramatischen Appell wendet sich die österreichische Musikbranche in einem offenen Brief an die Bundesregierung und fordert die Rettung der heimischen Kulturlandschaft.
In der österreichischen Musikszene brennt die Hütte: Mit einem beispiellosen, flammenden offenen Brief wendet sich die gesamte Musikbranche des Landes – von absoluten Mega-Stars bis zu den einflussreichsten Musikmanagern – direkt an die Bundesregierung. Unter dem dramatischen Titel „Musik aus Österreich braucht eine Zukunft – Für einen starken Musikstandort im Streaming-Zeitalter“ schlagen die Kulturschaffenden Alarm. Sie fordern nicht weniger als eine radikale Kehrtwende, um den heimischen Markt vor dem endgültigen Untergang im globalen Streaming-Dschungel zu retten.
Mehr lesen:
- Howard Carpendale: Bittere Abrechnung mit der Schlager-Branche
- Theater in der Josefstadt: Rötzer will Literatur- und Ensembletheater
- Melissa Naschenwengs Vater rechnet im ORF brutal ab
Rekord-Konsum, aber Österreich blutet aus
Die Zahlen, die in dem Brief präsentiert werden, sprechen eine deutliche Sprache und zeigen das absurde Paradoxon der modernen Musikwelt: Noch nie zuvor wurde so viel Musik konsumiert wie heute. Allein in Österreich generiert die Musikwirtschaft eine jährliche Wertschöpfung von stolzen 7,5 Milliarden Euro und sichert rund 117.000 Arbeitsplätze. Doch die bittere Wahrheit lautet: Der überwiegende Teil der daraus entstehenden Gewinne versickert im Ausland!
Internationale Tech-Giganten und globale Streaming-Plattformen fahren auf dem österreichischen Markt gigantische Umsätze ein. Gleichzeitig zeigen aktuelle Erhebungen, dass nur noch ein winziger Bruchteil der gestreamten Musik überhaupt aus heimischen Produktionen stammt. Der Grund dafür ist ein unsichtbarer, aber eiskalter Gegner: Die globalen Empfehlungsalgorithmen von Spotify, Apple Music und Co. bevorzugen systematisch große, internationale Repertoires. Kleinere Musikmärkte wie Österreich werden dadurch strukturell eiskalt benachteiligt und regelrecht unsichtbar gemacht.
Streaming-Riesen sollen endlich zahlen!
Damit soll jetzt Schluss sein! Die Unterzeichner fordern die sofortige Umsetzung des im Regierungsprogramm angekündigten „fairen Beitrags“ internationaler Streaming-Dienste. Es gehe dabei ausdrücklich nicht darum, österreichische Unternehmen oder unabhängige Musiker zusätzlich zu belasten. Vielmehr sollen die globalen Milliarden-Konzerne einen kleinen Teil ihrer in Österreich erwirtschafteten Umsätze genau hier wieder reinvestieren.
Conchita Wurst
Diese Gelder sollen zweckgebunden in die heimische Musikproduktion, die dringend notwendige Nachwuchsförderung, den Export und die Professionalisierung fließen. Kurz gesagt: Ein Schutzschirm für die rot-weiß-rote Kultur, damit heimische Künstlerinnen und Künstler im globalisierten Markt überhaupt noch eine Chance haben, entdeckt zu werden.
Die Allianz der Giganten: Wer hinter dem Aufstand steckt
Die Liste der Unterzeichner liest sich wie das Who's Who der österreichischen Kulturlandschaft. Es ist eine Allianz, die es in dieser Form wohl noch nie gegeben hat. Ausnahmslos alle Genres ziehen an einem Strang.
Unter den Hunderten Künstlern finden sich Pop- und Rock-Giganten wie Wanda, Bilderbuch, Christina Stürmer und Seiler und Speer. Auch Legenden wie Wolfgang Ambros stehen Seite an Seite mit modernen Chart-Stürmern wie Bibiza, Conchita Wurst, Ina Regen, Josh. und Folkshilfe. Unterstützt werden sie von den wichtigsten Akteuren der Musikwirtschaft – von Plattenbossen, Produzenten und Festivalmachern wie Marco Kleebauer oder Stefan Redelsteiner.
Die Botschaft des Musik-Clans ist unmissverständlich: Österreichs Musik hat außergewöhnliches Talent und internationales Potenzial – was ihr fehlt, sind faire strukturelle Rahmenbedingungen. Jetzt ist die Politik am Zug, um zu verhindern, dass der Austropop im Algorithmus-Wahn für immer verstummt!