Ina Regen meldet sich nach einer persönlichen Krise mit neuer Musik zurück. Ihr neues Album verbindet Mitgefühl, Versöhnung und klare gesellschaftliche Aussagen.
Ina Regen ist derzeit „sehr glücklich“. Am Freitag erscheint ihr neues Album „Revolution der Liebeslieder“, außerdem stehen Konzerte an. „Ich freu mich, dass ich jetzt wieder an einem Punkt angelangt bin, an dem ich mit Überzeugung sagen kann: Das Leben ist schön“, sagte die Sängerin im APA‑Interview. Diese neue Leichtigkeit musste sie sich jedoch erst zurückerarbeiten.
Krise trotz Erfolg
2024 war für die Oberösterreicherin eine große Belastungsprobe. Innerhalb eines Jahres veröffentlichte sie zwei Alben, eines erreichte Platz drei der Charts, das andere sogar Platz eins. Sie spielte große Konzerte, war mit ihrer Band auf ausverkaufter Tournee und füllte den Goldenen Saal im Wiener Musikverein. Trotzdem habe sie am Jahresende ihre Eltern um finanzielle Unterstützung bitten müssen, weil sie sonst ihre Miete nicht hätte zahlen können. „Ich musste für Probleme gradstehen, die ich nicht verursacht habe“, schilderte Regen. Näher darauf eingehen könne sie nicht.
Musik als Rettung
Ein Vertrauensbruch habe tiefe Spuren hinterlassen. „Und die Aufräumarbeiten machten mich wahnsinnig müde“, erzählte die 41‑Jährige. Gleichzeitig musste sie bestehende Verpflichtungen erfüllen, darunter eine Songwriting‑Session mit aus Hamburg angereisten Kollegen. Diese wurde für sie zum Wendepunkt: „Dabei habe ich gespürt, dass die Musik mir das Leben rettet.“
Angebot von Mitgefühl
Rückblickend hätte sie sich auch aus der Öffentlichkeit zurückziehen können. Doch spätestens mit dem Lied „Liebe ist Widerstand“, der ersten Single des Albums, sei ihr klar geworden: „Nein, Kunst hat eine Verantwortung.“ Gerade in krisengeprägten Zeiten könne Kunst Raum bieten für Pausen, neue Gedanken, Mitgefühl und Hoffnung. Diese Angebote wolle sie weiterhin machen.
Bewusst menschlich produziert
Mit „Revolution der Liebeslieder“ schließe sich für Ina Regen ein Kreis zu ihrem ersten Album „Klee“. Beide verbinde das Handgemachte und Analoge. Sie habe großen Wert darauf gelegt, dass jedes Instrument von einem Menschen gespielt werde. „Nichts auf diesem Album ist KI“, betonte sie. Das sei auch ein bewusster Widerstand für ihren Beruf. „Ich wollte, dass es so viel menschelt, wie es geht.“
Haltung zeigen
Der Albumtitel sei bewusst gewählt. In Zeiten zunehmender Spaltung könne der Wille zum Dialog und zum Miteinander eine „Revolution der Liebeslieder“ sein, erklärte Regen. Obwohl das Album aus einer zerrütteten Zeit entstanden sei, sei es ihr versöhnlichstes und liebevollstes. Es biete Versöhnung an, spreche aber auch Themen an, „die einfach benannt gehören“.
Ihre Haltung werde sie weiterhin offen vertreten. „Gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, ist das Unterscheidungsmerkmal zwischen Kommerz und Kunst“, sagte die Sängerin. Als Feministin sehe sie sich in der Tradition vieler Frauen, die unbequem gewesen seien und bestehende Ungleichheiten benannt hätten. Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen.