Zwischen unverwüstlichem Wiener Schmäh und der berührenden Reflexion über den eigenen Abschied gab Jazz Gitti im ORF-Gespräch mit Eva Pölzl tiefe Einblicke in ihr Seelenleben kurz vor ihrem 80. Geburtstag.
Wer Jazz Gitti in ein Fernsehstudio lädt, darf kein Blatt vor dem Mund erwarten. Das bekamen die Zuschauerinnen und Zuschauer des ORF-Frühfernsehens bereits in den ersten Minuten zu spüren, als die Künstlerin die frühe Sendezeit mit gewohntem Augenzwinkern quittierte. „Ein bisschen früh, hättest du’s nicht später machen können. Die Zeit ist ja nicht wirklich christlich“, frotzelte die 79-Jährige in Richtung Moderatorin Eva Pölzl. Doch hinter der humorvollen Fassade des Urgesteins der heimischen Musikszene blitzte an diesem Morgen eine Tiefe auf, die man bei der sonst so lebensfrohen Powerfrau selten in dieser Deutlichkeit sieht.
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Die Bühne als Elixier und Erschöpfung
Mit Blick auf ihren runden Geburtstag am 13. Mai scheint Jazz Gitti eine Phase der inneren Einkehr erreicht zu haben. Während das Rampenlicht für sie nach wie vor eine beflügelnde Wirkung hat, ist der Preis für die Performance gestiegen. Wie der ORF im Talk dokumentierte, spürt die Sängerin die Last der Jahre erst, wenn der Vorhang fällt: „Auf der Bühne spüre ich nichts. Aber wenn ich runterkomme, holt mich der Teufel“, gestand sie offenherzig über den Kontrast zwischen dem Adrenalin der Show und der körperlichen Realität danach.
Ein musikalisches Vermächtnis als Abschiedsgruß
Den wohl emotionalsten Moment des Gesprächs markierte die Vorstellung ihres neuesten Werkes. Auf die Frage von Eva Pölzl, was sie sich denn selbst zu ihrem Abschied singen würde, folgte eine Antwort, die durch ihre Schlichtheit bestach: „Meinen Abschied.“
Die neue Single, die pünktlich zum Jubiläum erscheint, trägt den programmatischen Titel „Wenn’s Zeit wird für mi das i geh“. Für Gitti ist dieses Lied weit mehr als nur ein weiterer Titel in ihrer langen Diskografie; es ist eine Bilanz. „Es ist die Wahrheit, so wie alle meine Lieder“, stellte sie klar und ließ damit keinen Zweifel daran, dass sie sich aktiv mit dem Ende ihrer Karriere und der eigenen Vergänglichkeit auseinandersetzt.
Der Wunsch nach dem „idealen“ Ende
Ohne Bitterkeit, aber mit jener direkten Wiener Art, die sie über Jahrzehnte zum Publikumsliebling machte, sprach sie schließlich über das Unausweichliche. „Keiner lebt ewig, wer will das auch“, so die Sängerin trocken. Für ihren eigenen Abgang hat sie – trotz allem Realismus – eine ganz klare Vorstellung, die sie lachend formulierte: „Von mir aus auf der Bühne umfallen und Tschüss mit Ü. Das wäre ein Wunsch, aber das Leben ist kein Wunschkonzert.“
Es bleibt das Bild einer Künstlerin, die auch mit fast 80 Jahren die Kontrolle über ihr Narrativ behält – und zeigt, dass wahre Stärke darin liegt, der eigenen Endlichkeit mit einem Lächeln und einem Lied auf den Lippen zu begegnen.