First Lady im Talk

Doris Schmidauer zum Weltfrauentag: "Ihr könnt alles!"

„Lauter! Frauen!“, so das Motto von 
Doris Schmidauer, die am 8. März in der Oper mit 2.000 Frauen die Stimme erhebt. Die „First Lady“ im Interview über das Projekt „RISE!“ und ihren Einsatz für Chancengleichheit. 

Am kommenden Sonntag wird es in der Wiener Staatsoper noch lauter als sonst, denn dann wird das Haus am Ring zur Bühne weiblicher Solidarität. Unter dem Titel „RISE! Women‘s Voices for Change“ erheben 2.000 Frauen – im Wortsinn – die Stimme. Allen voran Christina Stürmer, die am Weltfrauentag erstmals auf der Bühne der Oper performt.

Präsidentengattin Doris Schmidauer im Talk mit MADONNA-CR Daniela Schimke. 

Präsidentengattin Doris Schmidauer im Talk mit MADONNA-CR Daniela Schimke. 

© Johannes Kernmayer

Ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung 

Ein starkes Zeichen für Freiheit, Gleichberechtigung und Sichtbarkeit, weshalb für das vom Verein Madita initiierte Event niemand Geringerer als Doris Schmidauer (62) den Ehrenschutz übernimmt. Die Ehefrau von Bundespräsident Alexander Van der Bellen lud bereits vergangene Woche zu einem interessanten Netzwerk-Empfang. Das Motto „Lauter!Frauen!“ gilt für Doris Schmidauer jedoch nicht nur rund um den Weltfrauentag, sondern das ganze Jahr über, wie sie im MADONNA-Interview erzählt.   

Wir sprechen heute über den Weltfrauentag. Was bedeutet Ihnen dieser Tag persönlich?
Doris Schmidauer: Es ist ein guter Tag, um innezuhalten und Bilanz zu ziehen. Wo stehen wir in Sachen Gleichberechtigung in unserem Land und weltweit? Man sollte dabei über den eigenen Tellerrand hinaussehen. Wir dürfen uns über das Erreichte freuen, aber richten wir auch den Blick nach vorne: Was können wir tun, um tatsächliche Gleichberechtigung zu erreichen? Frauen machen die Hälfte der Menschheit aus – aber das spiegelt sich nicht auf allen Ebenen wider.

Schauen wir uns etwa die unbezahlte Arbeit an: Familienorganisation, Haushalt, Kinderbetreuung und oft auch die Pflege von Angehörigen. Das ist klassischerweise immer noch Frauensache. Frauen haben in der Regel eine gute Ausbildung, aber sobald die Familiengründung beginnt, wechseln sie oft für sehr lange Zeit in Teilzeitjobs und verdienen viel weniger. Das führt dann auch dazu, dass Frauen im Alter weniger Pension bekommen. Diese Ungleichheit wird zwar alljährlich thematisiert, aber es wird noch zu wenig gegengesteuert. 

MADONNA besuchte die First Lady in der Präsidentschaftskanzlei. 

MADONNA besuchte die First Lady in der Präsidentschaftskanzlei. 

© Johannes Kernmayer

"Heute würde niemand mehr sagen, dass Gleichstellung egal sei." 

Sie beobachten die Entwicklung seit sehr langer Zeit: Was hat sich Ihrer Meinung nach verbessert?
Schmidauer: Das kommt auf die Zeitspanne an. Wenn ich auf die Generation meiner Mutter blicke – ich bin Jahrgang 1963 –, dann war es in den 70er-Jahren noch ganz klassisch so, dass Frauen nach der Geburt der Kinder oft komplett zu Hause geblieben sind. Vergessen wir nicht, dass die großen Familienrechtsreformen erst in den 70ern kamen. Davor mussten Frauen ihre Ehemänner noch um Erlaubnis fragen, wenn sie arbeiten gehen wollten.

Diese patriarchalen Strukturen waren damals gang und gäbe. Da hat sich enorm viel verändert, was mutigen Frauen wie Johanna Dohnal zu verdanken ist. Denken wir an die straffreie Abtreibung oder Reformen im Steuerrecht. Im Bereich Gewaltschutz hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Der im Herbst beschlossene Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen nimmt alle Ministerien in die Pflicht, konkrete Maßnahmen zu setzen. Insgesamt kann man sagen: Das Bewusstsein ist da. Heute würde niemand mehr sagen, dass Gleichstellung egal sei. 

Welche konkreten Maßnahmen sehen Sie derzeit auf politischer Ebene?
Schmidauer: Aktuell gibt es wichtige EU-Vorlagen, etwa zur Lohntransparenz, um die Ungleichheit bei Gehältern zwischen Männern und Frauen zu beseitigen. Auch das Thema Quoten für Aufsichtsräte und Vorstände ist wichtig. Wenn man sich die aktuellen Zahlen ansieht, ist das erschreckend: Unter den börsennotierten Unternehmen in Österreich etwa gibt es aktuell keine einzige Vorstandsvorsitzende. Dabei haben wir in allen Bereichen so viele großartige, qualifizierte Frauen– ob Architektur, im Recht oder in der Landwirtschaft. Das Potenzial ist riesig, aber es schlägt sich noch nicht in den Führungspositionen nieder. Es hätte auch eine gesellschaftliche Vorbildwirkung, wenn mehr Frauen in den Chefetagen wären.

Müssten Frauen hier vielleicht auch selbstbewusster auftreten und sagen: „Ich kann das, ich werde CEO“?
Schmidauer: Genau deshalb lautet das Motto unserer Frauentagsveranstaltung „Lauter! Frauen!“ – im doppelten Sinne: Viele Frauen mit Potenzial, die ruhig etwas lauter und selbstbewusster auftreten dürfen. Und: Männer sagen oft, sie würden ja Frauen einstellen, aber man müsse sie „dreimal fragen“. Dann sage ich: Dann fragt halt dreimal! Man darf nicht vergessen, dass Frauen über Generationen suggeriert wurde, sich zurückzuhalten, was oft zu überzogener Selbstkritik führt.

Froh und dankbar sei sie dafür, sich einbringen und gestalten zu können, erklärt Doris Schmidauer.  

Froh und dankbar sei sie dafür, sich einbringen und gestalten zu können, erklärt Doris Schmidauer.  

© Johannes Kernmayer
 

Ich kann Frauen nur ermutigen: Ihr könnt alles! Es hilft auch, wenn man jemanden hat, der einem den Rücken stärkt. Ich habe in den letzten Jahren Mentoring-Programme kennengelernt, bei denen auch Männer Mentees übernehmen. Das finde ich spannend, weil es bei den Männern zu einem Perspektivenwechsel führt und sie für die Hürden sensibilisiert, mit denen Frauen konfrontiert sind. 

2.000 Frauen erheben die Stimme in der Oper

In der Wiener Staatsoper findet am Weltfrauentag ein großes Ereignis statt. 2.000 Frauen erheben gemeinsam ihre Stimme. Gab es so etwas Großes schon einmal?
Schmidauer:
Ich glaube nicht. Die Idee, dass 2.000 Frauen in der Staatsoper gemeinsam singen, ist ein unüberhörbares Zeichen. Ich war bei der Pressekonferenz dabei und es war so schön zu sehen, wie schnell sich Künstlerinnen und andere Frauen für dieses Projekt begeistern ließen. Es zeigt den gemeinsamen Wunsch, etwas zu bewegen.

Am 3. März fand auch Ihre Veranstaltung „Lauter!Frauen!“ statt. Wie kann man sich diese Veranstaltung vorstellen?
Schmidauer:
Der Schwerpunkt lag darauf, Frauen zusammenzubringen, die etwas weiterbringen wollen. Unterschiedliche Frauen lernen einander kennen und treten aus ihren gewohnten Kreisen heraus. Aus diesem Austausch entstehen oft großartige neue Projekte, die für viele Frauen in Österreich etwas erreichen. Wir stellen in diesem Rahmen alljährlich Initiativen vor und laden die Frauen ein, sich zu informieren, wo sie selbst aktiv werden können. Auf der Bühne hatten wir unter anderem die Schriftstellerin Nava Ebrahimi als Keynote-Speakerin. Es kamen auch viele österreichische Bürgermeisterinnen, was mich besonders freut.  

Am 3. März lud Schmidauer zu ihrer

Am 3. März lud Schmidauer zu ihrer "Lauter!Frauen!"-Veranstaltung. 

© APA/Roland Schlager

Es gibt so viele tolle Projekte für Frauen und vermutlich erhalten Sie täglich Anfragen, diese zu unterstützen. Wie entscheiden Sie, für welches Sie sich auch selbst einsetzen?
Schmidauer:
Man muss sich fokussieren. Ich konzentriere mich auf Themen, für die ich brenne: Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Chancengerechtigkeit für Kinder. Alle Kinder sollen die gleichen Startbedingungen für ein gutes Leben haben. Mit dem richtigen Fokus bewirke ich gezielt mehr.

Man spürt, dass Sie diese Aufgabe sehr erfüllt. Ist es schön, Ihre Position für diesen Einsatz nützen zu können?
Schmidauer:
Sehr. Ich bin froh und dankbar, mich einbringen und gestalten zu können. Und was den Frauentag betrifft: Am schönsten wäre es natürlich, wenn wir den 8. März irgendwann gar nicht mehr bräuchten, sondern nur noch als Feiertag für das Erreichte.

Starke Frauen auch an der Wand des Büros von Doris Schmidauer. 

Starke Frauen auch an der Wand des Büros von Doris Schmidauer. 

© Johannes Kernmayer

"Ich hoffe, dass sich noch viel bewegt..."

Wie finden Sie bei solch ernsten Themen die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Lebensfreude?
Schmidauer:
Ich finde nicht, dass sich das ausschließt. Wir hatten einmal eine Veranstaltung zum Thema Frauenrechte im Iran und in Afghanistan. Das war sehr bedrückend. Am Ende hat eine afghanische Musikerin gespielt und die Frauen begannen zu tanzen. Das war ein unglaublich starkes Symbol für Widerstandskraft: „Wir geben nicht auf.“ Gemeinsames Singen oder Tanzen stärkt uns für den weiteren Kampf.

Wenn wir uns in zehn Jahren wieder treffen – was möchten Sie dann über das vergangene Jahrzehnt sagen können?Schmidauer: Dass Frauen gleich viel verdienen wie Männer. Dass sie ganz selbstverständlich überall vertreten sind, auch in den Chefetagen. Dass Frauen und Männer sich gleichermaßen um ihre Kinder und Angehörigen kümmern und überhaupt die unbezahlte Arbeit fair aufgeteilt ist. Und dass da auch die Unternehmen und Arbeitgeber dabei mitmachen. Ja, ich hoffe sehr, dass sich in den nächsten Jahren noch viel bewegt – reden wir in zehn Jahren weiter.

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