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Warum mir eine private Pilates-Stunde gezeigt hat, dass ich jahrelang falsch trainiert habe

Es gibt Sätze, die hört man in fast jeder Pilates-Class: „Engage your core“, „Zieh den Bauchnabel nach innen“, „Halte die Spannung“. Klingt einfach – bis man in einer Privatstunde merkt, dass man eigentlich keine Ahnung hat, was damit wirklich gemeint ist.

Genau das ist mir bei einer Private Session im THE1924 (Kollergasse 4/1, 1060 Wien) passiert. Gemeinsam mit Gründerin Sara Hrapovic habe ich eine Stunde auf den originalen Pilates-Geräten gemacht – und plötzlich verstanden, warum Pilates bei manchen Menschen sichtbare Ergebnisse bringt und bei anderen einfach nur wie ein weiterer Workout-Trend wirkt.

Denn der Unterschied liegt nicht darin, welche Übungen man macht. Sondern wie.

Warum mir eine private Pilates-Stunde gezeigt hat, dass ich jahrelang falsch trainiert habe
© THE1924

„Die meisten Menschen trainieren komplett an ihrem Körper vorbei“

Schon in den ersten Minuten wurde klar: Diese Stunde hat wenig mit den schnellen Dynamic-Reformer-Klassen zu tun, die aktuell überall auf TikTok und Instagram auftauchen. Statt möglichst viele Wiederholungen zu schaffen, ging es bei Sara um etwas völlig anderes: Haltung, Kontrolle und Körperbewusstsein.

Viele Bewegungen, die ich aus anderen Pilates-Kursen kannte, wurden plötzlich ganz anders ausgeführt. Beim Liegen am Rücken sollte ich den Bauch nicht einfach „anspannen“, sondern gezielt nach innen ziehen, die Rippen kontrollieren und bestimmte Muskelgruppen bewusst aktivieren. Bewegungen wurden extrem langsam mit bewusstem Widerstand ausgeführt, damit ich überhaupt spüre, welcher Muskel gerade arbeiten soll.

Und genau da liegt laut Sara das Problem vieler moderner Pilates-Studios: Die Übungen sehen zwar schön aus, werden aber oft falsch ausgeführt.

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© THE1924

Warum Pilates nicht für jeden gleich funktioniert

Besonders spannend fand ich ihren Ansatz, dass Pilates niemals eine „One-size-fits-all“-Methode sein sollte. Menschen mit leichter Skoliose brauchen andere Ausführungen als Personen mit Plattfüßen oder Knieproblemen. Selbst kleine Fehlstellungen verändern laut ihr die gesamte Bewegungskette.

In großen Gruppenkursen bleibt dafür oft kaum Zeit. Deshalb bietet THE1924 seit der Gründung vor zwei Jahren hauptsächlich Privatstunden oder bewusst nur sehr kleine Gruppen an – und achtet darauf, dass alle Teilnehmer auf einem ähnlichen Level trainieren. Sonst, so Sara, verliere Pilates seinen eigentlichen Sinn.

Während der Stunde wurde mir immer wieder erklärt, wann ich welche Muskelgruppe aktivieren muss, wie sich eine korrekte Haltung anfühlen sollte – und vor allem: dass Schmerzen während Pilates nicht normal sind. Ein Satz, der hängen geblieben ist: „Wenn etwas weh tut, macht dein Körper gerade etwas falsch.“ Ihr Ansatz: Die korrekte Haltung ist die Verantwortung des Trainers.

Warum mir eine private Pilates-Stunde gezeigt hat, dass ich jahrelang falsch trainiert habe
© THE1924

Das eigentliche Ziel von Pilates ist nicht ein flacher Bauch

Pilates wird oft als elegantes Celebrity-Workout verkauft, dabei steckt hinter der Originalmethode von Joseph Pilates viel mehr. Im THE1924 arbeitet man nach der klassischen Methode, die seit der Entwicklung des ersten Reformers 1924 nahezu unverändert weitergegeben wird.

Der Fokus liegt dabei auf sechs zentralen Prinzipien:

  • eine starke Körpermitte
  • bessere Haltung
  • mehr Flexibilität
  • kontrolliertes Ganzkörpertraining
  • Konzentration und bewusste Bewegung
  • Prävention statt Überlastung

Und genau das spürt man während der Stunde überraschend schnell. Obwohl viele Übungen langsam und kontrolliert wirken, sind sie unglaublich intensiv. Statt dem Gefühl außer Atem zu sein, hatte ich das Gefühl, Muskeln plötzlich korrekt zu benutzen.

Warum mir eine private Pilates-Stunde gezeigt hat, dass ich jahrelang falsch trainiert habe
© THE1924

Mein größter Aha-Moment: Langsam ist oft schwieriger

Was mich am meisten überrascht hat: Wie anstrengend langsame Bewegungen sein können, wenn man sie wirklich präzise ausführt. Statt möglichst viele Übungen „durchzupowern“, musste ich lernen, Bewegungen bewusst zu kontrollieren, Widerstand aufzubauen und meine Haltung permanent zu korrigieren. Genau dadurch wurde mir klar, wie oft man beim Training eigentlich kompensiert – also mit den falschen Muskeln arbeitet, ohne es zu merken.

Und vielleicht erklärt das auch, warum viele Menschen trotz regelmäßigem Pilates kaum Veränderungen sehen: Weil niemand ihnen jemals gezeigt hat, wie sich die Übungen eigentlich richtig anfühlen sollten.

Warum mir eine private Pilates-Stunde gezeigt hat, dass ich jahrelang falsch trainiert habe
© THE1924

Eine private Pilates-Stunde kann mehr verändern als zehn Gruppenkurse

Natürlich sind Group Classes motivierend. Aber diese private Stunde hat mir gezeigt, dass Pilates erst dann wirklich effektiv wird, wenn man versteht, wie der eigene Körper funktioniert. Vor allem Anfänger profitieren wahrscheinlich enorm davon, einmal individuell korrigiert zu werden – bevor sich falsche Bewegungsmuster einschleifen.

Ich bin jedenfalls mit deutlich mehr Muskelkater gegangen als erwartet. Aber vor allem mit dem Gefühl, Pilates zum ersten Mal wirklich verstanden zu haben.

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