Alonso: Böse Attacke auf eigenes Team

Formel 1

Alonso: Böse Attacke auf eigenes Team

Spanier rechnet nach dem Melbourne-Auftakt ab - vor allem mit Honda.

McLaren-Fahrer Fernando Alonso schiebt wieder einmal Frust. Die Schwäche der Power-Unit zehrt immer mehr an dem Spanier. "Es ist frustrierend, dass nach zwei Jahren alle einen Fortschritt machen, nur Honda ist dort, wo sie vor zwei Jahren waren", sagte er. Trotzdem wollen sich er und Teamchef Eric Boullier nicht mit Spekulationen um eine Trennung von dem Motorenpartner beschäftigen.

Die Rückkehr zur Farbe orange sollte eigentlich die Stimmung bei McLaren heben, doch das Gegenteil war bisher der Fall. Bei den Testfahrten in Spanien erwies sich der Honda-Motor als noch instabiler als in der abgelaufenen Saison. Im Australien-Grand-Prix gab bei Alonso die Aufhängung den Geist auf, nachdem sich der Spanier im unterlegenen MCL32 auf den zehnten Platz vorgekämpft hatte. Teamkollege Stoffel Vandoorne war 13. und damit Letzter.

"Ich bin selten in einem schlechteren Auto gesessen, mit dem wir uns völlig unzureichend auf die Saison vorbereitet haben", sagte Alonso. "In Sachen Performance sind wir Letzter. Wir waren Zehnter, weil die Runde im Qualifying gestern extrem gut war. Unter normalen Bedingungen auf einer normalen Strecke sollten wir Letzter und Vorletzter sein."

"Eine Menge Probleme"

In Melbourne habe ihm seine Erfahrung geholfen: "Die Bahn ist eng und buckelig." McLaren ist im dritten Jahr der Partnerschaft mit dem japanischen Autobauer. Dieses dürfte die Geduld der Beteiligten erneut auf eine harte Probe stellen. "Wir haben sehr schlechte Wintertests gehabt, eine Menge Probleme. Wir sind auf wenige Kilometer gekommen, haben keine Rennsimulationen machen können", erklärte Boullier.

"Wir haben viele, viele Meetings mit Honda. Wir nehmen das Thema beide sehr ernst. Alle Optionen sind offen." Der Franzose sei "im Wochenrhythmus" in der Fabrik in Japan. Alonso glaubt grundsätzlich an die Problemlösungskompetenz bei McLaren. "Das Team arbeitet hundert Prozent daran, die Situation zu verbessern und die Probleme zu identifizieren. Jeder hat in den letzten drei Wochen das Maximum gegeben", meinte der zweifache Weltmeister.

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Wenn es keinen Aufwärtstrend gebe, erwarte er sich aber eine "starke Reaktion" der Führungskräfte. "Die Frage ist besser bei der Teamführung aufgehoben", entgegnete Alonso, als er auf das Gerücht angesprochen wurde, Mercedes könnte Honda noch in diesem Jahr als Motorenlieferant ablösen.

Wechsel zu Mercedes?

Nach dem Wegfall von Manor als Kunde wären Kapazitäten frei. "Ich weiß Bescheid über die Gerüchte, aber ich achte nicht darauf." Boullier wurde von der spanischen Zeitung AS dahingehend zitiert, dass er glaube, McLaren würde mit einem Mercedes-Motor Rennen gewinnen.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wollte nicht darauf eingehen, dass Gespräche mit McLaren stattgefunden hätten, auch McLaren blockte bei dem Thema ab. "Gerüchte, es sind nur Gerüchte", sagte Boullier in Melbourne. Ein Ausstieg aus dem Langzeit-Vertrag würde sich jedenfalls höchst schwierig gestalten, zumal der Honda-Deal auch stattliche Summen garantiert, auf die der Rennstall aus Woking kaum verzichten könnte.

So bleibt Alonso und McLaren derzeit das Prinzip Hoffnung. "Ich hoffe, dass wir konkurrenzfähig sein können im Laufe des Jahres", meinte der 35-Jährige. Der Wegfall des umstrittenen Tokensystems, das die Motorenentwicklung bisher während der laufenden Saison begrenzte, könnte heuer immerhin helfen.