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NBA-Star rettet Flüchtlinge vor dem Ertrinken

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Der "Memphis Grizzlies"-Star war mit Seenotrettern unterwegs. Die Bilder des Einsatzes gingen um die Welt.

Er lebt den Traum vieler anderer. Er verdient rund 20 Millionen Euro im Jahr, wird von Tausenden Fans verehrt und darf in der Basketball-Profiliga NBA spielen. Aber in seiner Freizeit rettete er zuletzt Flüchtlinge vor dem Ertrinken.

Der Spanier Marc Gasol, der bei den "Memphis Grizzlies" spielt, begleitete zuletzt die Seenotretter von „Proactiva Open Arms“ bei ihrem Einsatz im Mittelmeer. Und die Bilder dieses Einsatzes gingen um die Welt. Nicht etwa wegen des NBA-Stars, sondern, weil ein Fotograf die täglichen Eindrücke der Retter ablichtete und somit  dem Horror im Mittelmeer ein neues Gesicht gab.

© Alessio PADUANO / AFP
Marc Gasol

Die Retter kamen am Mittwoch zu einem völlig zerstörten Boot. Auf den Trümmern lag eine Frau, neben ihr trieb ein Kleinkind – schnell stellte sich heraus, dass für die beiden jede Hilfe zu spät kam. Sie waren bereits tot. „Anfangs dachten wir, es sei niemand mehr am Leben. Aber als wir näher kamen, haben wir eine Frau gesehen. Sie klammerte sich mit der Hand an ein Stück Holz, das gerade mal einen halben Meter lang war“, erzählte der 31-jährige Profisportler der spanischen Zeitung „El Pais“.

Die Frau aus dem Kamerun konnte gerettet werden. Sie wurde von einer italienischen Ärztin noch an Bord behandelt. Mittlerweile ist sie außer Lebensgefahr.

© APA/AFP/PAU BARRENA
Schiffsdrama Libyen Proactica Open Arm Mittelmeer

Das Schock-Bild: Angst und Verzweiflung liegen im Blick der Geretteten.

Schwere Vorwürfe gegen Küstenwache

Ihr Schicksal ist kein Einzelfall. Unterdessen erhebt die Organisation „Proactiva Open Arms“ schwere Vorwürfe gegen die libysche Küstenwache. Die Flüchtlingshelfer warfen der Küstenwache vor, die drei zurückgelassen zu haben.

Die Retter hatten das Gebiet angesteuert, nachdem sie nach eigenen Angaben den Funkverkehr zwischen einem Schiff der libyschen Küstenwache und einem Frachtschiff über ein in Not geratenes Boot mitgehört hatten. Demnach blieb der Frachter vor Ort, bis die Küstenwache mitteilte, auf dem Weg dorthin zu sein.

Zurückgelassen?

Proactiva Open Arms warf den Behörden vor, andere Flüchtlinge gerettet, die zwei Frauen und das Kind aber ihrem Schicksal überlassen zu haben. Diese Darstellung wies die Küstenwache zurück. Sie sei Montagnacht zwar bei zwei Rettungsaktionen tätig gewesen. Diese hätten jedoch anderen Flüchtlingsbooten gegolten.

Demnach rettete die Küstenwache in einem Seegebiet ganz in der Nähe 165 Flüchtlinge von einem Boot, die schon seit mehr als zweieinhalb Tagen ohne Wasser und Essen auf dem Mittelmeer trieben. In einer weiter entfernten Region holte sie nach eigenen Angaben außerdem weitere 158 Flüchtlinge von einem anderen Boot.

© APA/AFP/PAU BARRENA
Schiffsdrama Libyen Proactica Open Arm Mittelmeer

Journalistin: „Es wurde niemand vergessen“

Die deutsche Journalistin Nadja Kriewald befand sich an Bord eines Schiffs der libyschen Küstenwache und bestätigte deren Darstellung. "Es wurde definitiv niemand vergessen", sagte die n-tv-Journalistin zu AFP. Der Einsatz sei "ruhig" verlaufen.

Überlebende kommt nach Spanien

Die beiden Schiffe der Proactiva Open Arms nahmen Kurs auf Spanien, obwohl Italien sich zur Aufnahme der Frau bereit erklärt hatte, teilte die Organisation mit. Rom wolle demnach zwar die 40-jährige Überlebende aus Kamerun an Land lassen, nicht aber die beiden Leichen.

Die Überlebende werde nun nach Spanien gebracht, um sie zu beschützen und zu ermöglichen, dass sie über die Geschehnisse aussagen könne. Noch stehe sie unter Schock und könne sich nicht daran erinnern, was passiert sei. Die neue italienische Regierung fährt einen harten Kurs in der Asylpolitik.

© APA/AFP/ALESSIO PADUANO
Marc Gasol Proactiva Open Arms Seenotretter

Marc Gasol und die Retter von "Proactiva open Arms" im Einsatz.

„Lifeline“-Kapitän spricht von „Mord“

Der Kapitän des deutschen Flüchtlingsrettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, bezeichnete den Vorfall am Mittwoch im Deutschlandfunk als "Mord". Es werde gemutmaßt, dass die beiden Frauen sich geweigert hätten, von der Küstenwache wieder zurück nach Libyen gebracht zu werden.

Unter dem Kommando von Reisch war die "Lifeline" im Juni mit 234 geretteten Flüchtlingen an Bord tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta ihre Häfen gesperrt hatten. Malta ließ das Schiff später zwar anlegen, beschlagnahmte es allerdings.

Kapitän muss vor Gericht

Reisch muss sich wegen der Rettungsaktion demnächst in Malta vor Gericht verantworten. Der Kapitän und seine Organisation werfen den EU-Staaten einschließlich Deutschland vor, mehr zur Behinderung der Seenotrettung zu unternehmen als zum Stopp des Sterbens von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer.

Libyen ist Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 herrscht Chaos in Libyen. In weiten Teilen haben bewaffnete Milizen das Sagen.

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