18. Jänner 2010 05:45
Beide für Golden Globes nominierten Österreicher konnten in der Nacht auf
Montag, 18.1. in Los Angeles die begehrten Filmpreise auch tatsächlich nach
Hause nehmen: Michael Haneke und Christoph
Waltz, beide bereits bei den Filmfestspielen
in Cannes ausgezeichnet, setzten ihren Siegeszug bei den
zweitwichtigsten US-Filmpreisen fort: "Das weiße Band" von
Haneke wurde zum besten nicht-englischsprachigen Film gekürt,
Waltz wurde für seine Rolle des SS-Offiziers Hans Landa in Quentin
Tarantinos "Inglourious Basterds" als Bester Nebendarsteller
ausgezeichnet.
Christoph Waltz, Michael Haneke und Sophia Loren
Fotos: (c)
Reuters, APA/EPA
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Haneke: "Der Preis gehört auch euch!"
Haneke
setzte sich mit
seinem eindrücklichen Schwarz-Weiß-Film, der in
Norddeutschland vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs den gesellschaftlichen
und strukturellen Ursachen von Gewalt nachspürt, gegen Filme aus Italien ("Baaria"),
Spanien ("Zerrissene Umarmungen"), Chile ("La Nana") und
Frankreich ("Un Prophete") durch und nahm den Preis von Sophia
Loren entgegen. Er bedankte sich ausdrücklich bei der fantastischen Crew und
den Kinderdarstellern: "Der Preis gehört auch euch!"
Siegeszug
Zuvor hatte "Das
weiße Band" neben der Goldenen Palme auch bereits drei
Europäische Filmpreise gewonnen. Eine
Oscar-Nominierung des von Deutschland eingereichten Streifens gilt nun
ebenso wie eine Nominierung von Waltz als wahrscheinlich. Die Nominierungen
werden am 2. Februar bekanntgegeben, die Oscar-Gala steigt am 7. März.
Waltz setzte sich gegen Konkurrenz durch
Der in London lebende
österreichische Schauspieler Christoph Waltz (53) setzte sich gegen Matt
Damon ("Invictus"), Woody Harrelson ("The Messenger"),
Christopher Plummer ("Ein russischer Sommer") und Stanley Tucci ("In
meinem Himmel") durch. Er nahm seine Auszeichnung von der
Schauspielerin Halle Berry entgegen und bedankte sich überschwänglich: "Ich
habe Bestätigung gebraucht", sagte Waltz, "und ich habe sie
von so vielen wundervollen Leuten bekommen. Ich hätte nie gedacht, dass
meine Welt einmal Teil dieser Konstellation sein würde - und ihr habt sie
sogar vergoldet." Waltz,
der vor dem Tarantino-Film, in dem er als charmant-verschlagener "Judenjäger"
Stars wie Brad
Pitt an die Wand spielt, einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt war,
wird in seinem nächsten
Filmprojekt unter David Cronenberg in "The Talking Cure" Sigmund
Freud spielen.
Golden Globes - Haneke: "Ich bin ein sturer Mensch"
"Auf
meinem Schreibtisch wird's ein bisschen anders aussehen", sagte Michael
Haneke bei einer Pressekonferenz nach der Golden Globe-Verleihung auf die
Frage, ob und wie der Preis sein Leben verändern wird. Angesprochen auf den
Mangel an internationalen Stars in seinen Filmen und ob er nun, da der Preis
von Sophia Loren übergeben wurde, zum Beispiel mit ihr reden wollte,
konterte der österreichische Regisseur: "In meinen Filmen gibt es
immer zuerst die Geschichten und dann die Schauspieler, die man dazu
braucht. Das ist der übliche Weg bei mir und nicht umgekehrt."
Tolle Kollegen
Hinzufügen wollte er noch, dass er auch bisher "auch
mit ein paar nicht ganz schlechten Schauspielern gearbeitet" habe.
Haneke ließ sich die auf Englisch gestellten Fragen übrigens übersetzen und
antwortete auf Deutsch. Seinen ebenfalls nominierten Kollegen Pedro
Almodovar ("Zerrissene Umarmungen") würdigte Haneke als "großen,
großen Regisseur". Bei Preisverleihungen sei es "immer
schwierig. Alle die hier nominiert waren, haben erstklassige Filme gemacht.
Jede Art von Wettbewerb ist in diesem Beruf komisch, weil man die Qualität
des einen nicht gegen die des anderen ausspielen kann."
"Bin ein sturer Mensch und habe mich durchgesetzt"
Ob
er in Zeiten des 3-D und scharfer, kräftiger Farben auf der Kinoleinwand mit
seinem Vorhaben, "Das weiße Band" in schwarz-weiß zu drehen,
auf Widerstand gestoßen sei? "Die Begeisterung war erstmal nicht
sehr groß", so Haneke, "aber ich bin ein sturer Mensch und
habe mich durchgesetzt."
Waltz - Weitere Zusammenarbeit mit Tarantino: "Ich kann's nur hoffen"
Von
Christoph Waltz wollten die Journalisten bei einer Pressekonferenz unter
anderem wissen, wo er die vielen im Film gebrauchten Sprachen in dieser
Perfektion gelernt habe. "Wie bei meiner ersten Sprache: Ich habe
begonnen, zu sprechen", so Waltz knapp. Dass die Rolle des Nazis an ihm
haften bleibe und in Zukunft ein Hindernis sein könnte, glaube er nicht. Er
werden den Abend gemeinsam mit Regisseur Quentin Tarantino feiern, ob es
weitere gemeinsame Projekte gebe, wisse er nicht. "Ich kann's nur hoffen",
so Waltz, der sich von den Journalisten mit einem Satz verabschiedete, der
durchaus ein Zitat seiner Filmrolle sein könnte: "Thank you very
much, it was fun!"
Gewinner
Die Golden Globes werden vom Verein der Auslandspresse
Hollywoods in 25 Kategorien für Film und Fernsehen vergeben. Hier
finden Sie die Abräumer des Abends.