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Neustart in der Heidi Horten Collection mit Hundeporträts

Neue Direktorin Verena Kaspar-Eisert will im "Boutique-Museum" für eine "sichtbare Stärkung weiblicher Perspektiven in Sammlung und Programm" sorgen - Soloschau für Elisabeth von Samsonow 

Die Heidi Horten Collection soll unter der neuen Direktorin Verena Kaspar-Eisert "ein Ort der Freude" werden. Die Kunsthistorikerin, die am 1. November in der Nachfolge von Agnes Husslein-Arco die künstlerisch-wissenschaftliche Leitung des im Juni 2022 in unmittelbarer Nachbarschaft der Albertina eröffneten Privatmuseums übernommen hat, möchte das Haus weiter öffnen und für eine "sichtbare Stärkung weiblicher Perspektiven in Sammlung und Programm" sorgen.

Neustart in der Heidi Horten Collection mit Hundeporträts
© APA/GEORG HOCHMUTH

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Sie habe den "Moment des Aufbruchs" auch zum Innehalten genutzt, um "sehr genau hinzusehen auf die Sammlung und ihre Geschichte", sagte Kaspar-Eisert am Donnerstag. Museumsgründerin Heidi Horten (1941-2022) war Teilerbin ihres ersten Ehemannes Helmut Horten, der "von den spezifischen Umständen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes profitierte und daraus finanziellen Gewinn zog", wie es in den Presseunterlagen heißt. "Die Heidi Horten Collection ist sich der vor 1945 geschaffenen Grundlage des in der Nachkriegszeit erwirtschafteten Vermögens bewusst, das für den Aufbau der Sammlung verwendet wurde. Wir erachten eine offene und transparente Darstellung dieser historischen Tatsache als notwendig." Das inkludiert auch verstärkte Provenienzforschung. "Es werden alle Werke, die vor 1945 entstanden sind, bearbeitet", versprach die neue Leiterin bei ihrer Antrittspressekonferenz. Rund 150 Werke werden beforscht, im Moment liege man bei 60 Prozent, zu denen es bereits gesicherte Erkenntnisse gebe.

Produktive Komplexität

"Mein Ziel ist es, die Komplexität nicht zu glätten, sondern produktiv zu machen", so die 1981 geborene Vorarlbergerin, die aus dem Museumsquartier in den Hanuschhof wechselte. Die Sammlung sei "ein Schlaraffenland für Kunsthistorikerinnen" und "das Fundament dieses Hauses. Heidi Horten hat Kunst nicht als Wertanlage verstanden, sondern mit ihr gelebt." Die neue Leiterin hat sich vorgenommen, "künftig verstärkt die Sammlung aus der Perspektive der Gegenwart zu lesen und sie gezielt weiterzuentwickeln". Das beinhaltet auch Ankäufe. Die Stifterin habe nicht nur die Möglichkeit geschaffen, das Haus langfristig zu betreiben, es stehe zudem seitens der Heidi Goess-Horten-Vermögensstiftung für Ankäufe "ein namhafter Betrag zur Verfügung". "Ich bin auch damit beauftragt, die Sammlung zu erweitern, bin aber auch nicht in Zugzwang, das auszugeben", sagte Kaspar-Eisert. Ein "unterstützender Beirat", in dem sich u.a. Paul Frey, der kaufmännische Geschäftsführer des Kunsthistorischen Museums, befindet, segne die Vorhaben ab.

Neustart in der Heidi Horten Collection mit Hundeporträts
© APA/GEORG HOCHMUTH

115.000 Besucherinnen und Besucher (davon 53 Prozent aus Österreich, 26 Prozent aus Deutschland) wurden im Jahr 2025 gezählt, seit der Eröffnung waren es 330.000. Mit der nahen Albertina gibt es derzeit keine besonderen Kooperationen. Nach einem Besuch der Albertina brauche der Durchschnittsbesucher wohl einen Tag zum Verschnaufen, meinte die neue Direktorin: "Unser unique selling point ist, dass wir eine Art Boutique-Museum sind, eines mit menschlichem Maß."

Animalisches, ein Betonauto und ein "Großes Mädchen"

Auf Tiere setzt man dagegen in der Frühjahrsausstellung, die auf eine Idee von Agnes Husslein zurückgeht: "Animalia" erzählt in über 100 Werken "von Tieren und Menschen". "Der Blick auf das Tier ist auch immer ein Blick auf den Menschen", meinte Kaspar-Eisert, die auf eine besondere Performance hinwies: Am 18. April wird Alois Mosbacher Live-Porträts von mitgebrachten Hunden zeichnen. "Ich glaube, es wird sehr originell werden."

Die erste Setzung der neuen Chefin ist gewichtig - und lässt geografische Bezüge erkennen: Der berühmte 16 Tonnen schwere "Betonporsche" des Vorarlbergers Gottfried Bechtold wird im Hof geparkt und zwar "ganz bewusst auf dem sogenannten Direktorinnenparkplatz". Dazu werden ab 29. April in einem Erdgeschoss-Kabinett Fotografien, Filme und Zeichnungen gezeigt. "Großes Mädchen" heißt nicht nur eine große Holzskulptur von Elisabeth von Samsonow, neben der Kaspar-Eisert am Donnerstag ihr Rednerinnen-Pult platziert hatte, sondern auch eine große Soloausstellung der sich künstlerisch vielfältig betätigenden Philosophin (17. September bis 28. Februar 2027). "Skulpturen, Malereien, Zeichnungen, Filme sowie eine ortsspezifische Installation machen ein erstaunliches Werk erfahrbar, das sich durch performatives Denken, formale Vielfalt und eine interdisziplinäre Haltung auszeichnet.", hieß es über die Schau, die auch in Dialog mit Arbeiten aus der Heidi Horten Collection tritt und einen eigenen Bereich für Besucherinnen und Besucher, die selbst kreativ werden wollen, umfasst.

Neustart in der Heidi Horten Collection mit Hundeporträts
© Ouriel Morgensztern/Heidi Horten Collection

"To shoe or not to shoe. Warhol and others", heißt eine kleine Ausstellung, die sich ab 20. Oktober mit dem Damenschuh als Fetischobjekt, Projektionsfläche und Objekt feministischer Kritik beschäftigen wird. Wer den künstlerischen Weihnachtsbaum 2026 gestalten und damit der aufreizenden Plüsch-Figur von Gelatin folgen wird, die derzeit noch im Foyer zu bewundern ist, wird erst im Herbst bekanntgegeben.

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