oe24-Kritik

Song-Contest-Finale lieferte die größte Show der Welt

70 Jahre Song Contest. In Wien wurde das Finale am Samstag zum Fest der Sinne. Ein Pop-Spektakel der Superlative, das auch die hohen Ticketpreise rechtfertigte. 

Song Contest: 12 Points. Stadthalle: 100 Points. Der 70. Song Contest lieferte wahrlich die größte Show der Welt. Ein beeindruckendes Spektakel: 25 Mini-Konzerte der 25 Finalisten, dazu noch ein Opening von Vorjahres-Sieger JJ sowie gleich drei Pausen-Shows, wo Parov Stelar zu „Black Lilies“ auf Super Bowl Niveau abrockte und ESC-Veteranen wie Erika Vikman, Verka Serduchka oder Alexander Rybak mit einem „Celebration“-Medley rund um Song Contest-Klassikern wie „Congratulations“, „Waterloo“ oder „Volare“ für sentimentale Stimmung sorgten. Und ein unerwartetes Highlight: die finsteren Hardrocker von Lordi mit dem heiteren L’amour Hatscher „Save Your Kisses for Me“ - einfach legendär. Noch beeindruckender war die Bühne in der Stadthalle - 8.500 Scheinwerfer, über 2.000 Quadratmeter LED-Fläche und alle nur erdenklichen Show-Gimmicks - und die Logistik. Keine 45 Sekunden Umbauzeit zwischen den Acts und das mit teilweise haushohen Aufbauten. Auch dafür gibt’s Höchstpunkte.

Die Show, bei der sich das umstrittene Moderations-Duo Victoria Swarovski und Michael Ostrowski endlich auf das Wesentliche konzentrierte, lieferte vom Opener „Før vi går hjem“ des Dänen Søren Torpegaard Lund auf einem Glaskasten bis zum gefeierten „Tanzschein“-Finale von Cosmó einen Abend der Superlative. Musikalisch war von verspieltem Schmuse-Pop (Malta) über große Bombast-Balladen (Frankreich) und eindringlichen Dancefloor-Krachern (Bulgarien) bis furchterregendem Heavy-Metal (Serbien) alles dabei. Show-technisch ohnedies alles, was heutzutage möglich ist: Windmaschine (Belgien), Laser-Overkill (Schweden), Hexenzirkel (Kroatien), Feuer-Fontänen (Norwegen) oder coolste Video-Tricks (Polen).

Top-Stimmung bei Cosmó

Für die größte Stimmung abseits von Cosmó, der beim Heimspiel trotz drohender Pleite wie ein Sieger gefeiert wurde, sorgten der griechische Wirbelwind Akylas, die bunte Party-Show von Satoshi und die finnischen Wett-Favoriten Linda Lampenius und Pete Parkkonen.

ESC2026 Zeidler
© Zeidler

Doch eine überragte alle. Und das nicht nur, weil sie sich per Schwebe-Plattform zwischen Feuerwerk-Salven und Funkenregen von ihrem Klavier aus in luftige Höhen hieven ließ. Delta Goodrem lieferte für Australien mit der Power-Ballade „Eclipse“ den Oscar-Moment unseres Song Contest.

Allein das war schon die heftigen Ticket-Preise von 230 Euro (Sitzplatz 2. Rang) bis 360 Euro (Golden Circle) beim Finale wert. Nur die Spannungen um den Israeli Noam Bettam, die ja schon bei der Quali-Runde und dem Jury-Finale von Störaktionen und Palästina-Fahnen begleitet wurden, waren absolut verzichtbar.

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ESC-Finale: Die besten Bilder

Endlich! Cosmós Show, bei der die Fans schon im Jury-Finale „Cosmó Cosmó“ und Österreich Sprechchöre anstimmten, fällt auf! Zu Beginn liegt er zwischen den Worten „Dance away your inner animal“ am Bühnenboden, dann gab’s die berühmte „Tanzschein“-Choreo und schließlich toben seine tierischen Freunde - Gorilla, Gazelle, Löwe und Nashorn - auf einem Klettergerüst herum. Da steppt in der Stadthalle der Bär! Der Sieg ist illusorisch, aber ein 0-Punkte-Desaster, so wie beim letzten ESC-Heimspiel 2015, muss es ja nun auch nicht wieder werden.

24 Rumänien: Alexandra Căpitănescu liefert den Aufreger „Choke Me“ als Bondage-Show. Gefangen in Neonlichter-Fesseln und begleitet von Laser-Overkill. Dazu gibt’s eine weiß bekleidete Komparsin, ein Flammen-Inferno und laszives Rumtollen auf allen Vieren.

23 Norwegen: Jonas Lovv, der seinen Rock-Hammer „Ya Ya Ya“ mit einer Drei-Mann-Band zwischen Lenny Kravitz und den White Stripes ansetzt, musste auf Anordnung der EBU seine Show entschärfen. Zu sexy hieß es. Laszive Bewegungen im Stile von Freddie Mercury, heiße Rock-Posen und Feuersalven gibt’s aber weiterhin.

22 Italien: Sal Da Vinci setzt die Schmacht-Ballade „Per sempre si“ im Theatersetting an. Mit Kostümproben, Videotricks und viel Tanz. Dazu gibt's eine Braut, die ihr Brautkleid zur italienischen Fahne verwandelt. Ein heißer Kuss war auch dabei!

21 Zypern: Antigoni stellt zum Sommerhit „Jalla“ einen riesigen Tisch mit Leuchtelementen in die Stadthalle. Dort lässt sie, begleitet von vier Tänzerinnen, leichtbekleidet die Hüften kreisen. Zum Finale trippelt sie den Steg entlang, bis zum großen Feuer-Inferno.

20 Schweden: Felicia, die am Freitag mit einem Schwindelanfall zu kämpfen hatte, zündet den Electropop-Kracher „My System“ als energetische Rotlicht-Show. Mit viel Bühnennebel, ausgeklügelter Laser-Choreografie und einem coolen 3D-Video-Effekt. Da ist alles auf das TV-Publikum getrimmt. In der Halle wirkt die Show fast gar nicht.

19 Litauen: Lion Ceccah inszeniert „Sólo quiero más“ als Theaterstück: Silberne Gesichtsschminke, ein überdimensionales schwarzes Cape, das ihm auch als Kulisse dient, und letztendlich in sich zusammenbricht, so wie ein Videogeist inklusive.

18 Polen: Alicia lässt zu „Pray“ vier Tänzer auf einer Art Sprungschanze herumtoben. Dazu gibt es viel Gegenlicht und eine von der Sandmalerei inspirierte Video-Choreografie, die ein wenig an den Auftritt der bereits ausgeschiedenen Portugiesen erinnert.

17 Finnland: Linda Lampenius & Pete Parkkonen, die großen Wett-Favoriten, inszenieren das Klassik-Pop-Crossover „Liekinheitin“ zwischen Beichtstuhl und Sesselberg. Auch mit umstrittener Live-Instrumentalisierung, beeindruckendem Sprint und viel Feuer. In Summe auf Perfektion getrimmt, aber ein bisschen gar statisch.

Satoshi, der ja am Dienstag den 70. Song Contest eröffnen durfte, zündet zu „Viva Moldova!“ die große Party . Flippig, bunt und exzessiv. Coole Video-Show rund um eine Trickfilm-Puppe, viel Rauch, Feuersalven und einen beeindruckenden Kleider-Trick inklusive.

15 Frankreich: Monroe zeigt sich zum Power-Chanson „Regarde!“ als Marie-Antoinette des Song Contests. Weißes Rokoko-Kleid, fünf Tänzerinnen, viel Bühnennebel und eine beeindruckende Stimme. Geht von Mal zu Mal mehr ins Ohr.

14 England: Look Mum No Computer setzt sein Kultvideo zu „Eins, zwei, drei“ nahezu 1:1 beim ESC um. Büro-Setting, Menschen mit Monitorköpfen und Herumtoben auf Schreibtischen. Eine Avantgarde-Performance mit „Commodore 64“-Optik. Da geht die Party ab. Ein Feuerwerk, ja sowieso: Eins, zwei, drei, Stimmung!

13 Kroatien: Die fünf mit Kutten bekleideten Damen von Lelek finden sich zum Schreigesang „Andromeda“ im Hexenzirkel ein. Düstere Nebelschwaden, mystisches Gesichtsmake-up und religiöse Symbolik inklusive.

12 Bulgarien: Dara inszeniert den eindringlichen Dancefloor-Ohrwurm „Bangaranga“ als Sessel-Kreis in einem rotierenden Haus. Von MTV inspirierte Choreografie und exzessive Licht-Show inklusive. Das Publikum in der Stadthalle sieht dabei meist nur die Häuser-Fassade.

11 Tschechien: Tanz im Spiegel-Kabinett: Daniel Žižka setzt bei „Crossroads“ nur auf spektakuläre TV-Bilder. In der Halle verdecken vier Boxen den Fans völlig die Sicht. Erst mit dem letzten Refrain öffnen sich die Spiegel – für große Lichtspiele.

10 Malta: Wieder mal ein Bühnen-Aufbau. Diesmal gibt’s für „Bella“ ein Karussell. Aida singt relativ unbeweglich, während sich rund um sie die Farben ändern. Nachdem ihm Bella als Vision erscheint, umtanzt er das Karussell.

9 Serbien: Zum Finale zündet die finstere Heavy Metal-Lavina, unterstützt von Blitz und Donner, das Höllenfeuer „Kraj meme“. Cool: Im TV wird dazu das Bild wie bei einem Erdbeben verwackelt. Das Nova Rock wäre dennoch passender als der ESC.

8 Australien: Delta Goodrem liefert mit der Power-Ballade „Eclipse“ den Oscar-Moment des Song Contests. Entree in Glitzerrobe vor einer Neonmuschel, Klaviereinsatz im dichten Bühnennebel und Höhenflug auf einer Schwebebühne im Feuerwerk. Mehr Show geht nicht! Das könnte den allerersten Sieg für Australien bringen.

7 Ukraine: Weißes Kleid, blaue Eis-Grafiken und etwas statische Verrenkungen. Damit will Leléka punkten und mit einer versteckten Botschaft. Zu „Ridnym“ lässt sie auch drei Schleier vom Hallendach fallen, während es am Videoscreen in Richtung Rot geht: Weiße Gardinen der Freiheit vor dem Blutvorhang?

6. Griechenland: Wirbelwind Akylas setzt den Mitsing-Hit „Ferto“ als witziges Jump-and-Run-Videospiel an. Auch in einer Spiegelbox, auf einem Hausdach und mit waghalsiger Rollerfahrt über die Bühne. Das brachte schon im Semifinale den größten Applaus. Der Geheimfavorit!

5. Albanien: Bei Essyla lässt die Windmaschine den Bühnenschleier im Schneesturm wehen: „Dancing on the Ice.“ Dazu gibt’s eisige Videosequenzen und vier Schneemänner.

4. Israel: Der abseits der Bühne stets schwer bewachte Noam Bettan versteckt sich zur Ethno-Hymne „Michelle“ zunächst in einem überdimensionalen Diamant-Konstrukt und wirbelt dann mit fünf heißen Tänzerinnen über die Bühne. Die Quali-Runde und das Jury-Finale wurden von Störaktionen und Palästina-Fahnen begleitet.

Deutschland: Heiß, heißer, Sarah Engels! Die TV-Queen eröffnet „Fire“ im weißen Mantel, strippt dann zum knappen Gold-Body und legt auch einen inszenierten Bühnensturz hin. Dazu gibt’s vier leicht bekleidete Tänzerinnen, viel Bühnenfeuer und noch mehr Popo-Wackeln. Hot!

Dänemark: Geheimfavorit Søren Torpegaard Lund hat bei „Før vi går hjem“ eine überdimensionale Glasbox dabei. Darin lassen fünf Tänzer lasziv das Becken kreisen. Kein Wunder also, dass er aufs Dach klettert und mitmachen will. Das gefällt den Fans!

Swarovski und Ostrowski: Das Moderatoren-Team legt los!

Swarovski und Ostrowski: Das Moderatoren-Team legt los!

Swarovski und Ostrowski: Das Moderatoren-Team legt los!

Die Eröffnung der Show

Die Eröffnung der Show

Die Eröffnung der Show

Fans

Michael Ludwig

Bundespräsident Van der Bellen ist da!

Martina Reuter und ihr Vladi

Angelika und Wolfgang Rosam

Michael Lameraner und Adi Weiss

Fans

Fans

Fans

Fans

Schlange vor der Stadthalle.

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