Zwischen Vesuv und Meer entfaltet die Stadt ein grandioses Spektakel aus Geschichte, Chaos und Kulinarik – Italien für Fortgeschrittene.
Wahrzeichen der Stadt. Galleria Umberto I die bekannte Einkaufspassage mit stilvollem Glasdach in der Altstadt von Neapel.
Schon beim Landeanflug hat man einen eindrucksvollen Blick auf die Diva. Idyllisch eingebettet zwischen dem bedrohlichen Vesuv und dem blau schimmernden Meer vermittelt sie zunächst einen fast unaufgeregten Eindruck. Doch gleich nach der Ankunftshalle ist Schluss mit chillig – „fortissimo“ ist angesagt. Eine Schar von Taxlern bietet freundlich, aber lautstark und wild gestikulierend ihre Dienste an. Da ballert einem sofort das südliche Lebensgefühl der Stadt entgegen. Nach kurzer Preisverhandlung beginnt der „wilde Ritt“ Richtung Centro. Der Fahrstil ist scooter-like: mal rechts, mal links wird überholt, die dunkelrote Ampel unter dem Motto „alles muss fließen“ großzügig ignoriert – etwas spooky und Adrenalin pur.
Fußball-Star Diego Maradonna, berühmt für seien Dribbelkünste und Stürmer bei SSC Napoli, lebt hier noch weiter.
Geschichte an jeder Straßenecke
Erreicht man die Stazione Garibaldi unversehrt, stehen in der Umgebung zahlreiche Hotels und private Unterkünfte zur Auswahl. Dort, wo im Laufe der Geschichte auch unzählige Despoten und fremde Herrscher ihr Quartier bezogen haben. Etrusker, Römer, Napoleon und die Habsburger – sie alle haben mit ihren archäologischen und architektonischen Relikten die Schatztruhe der heutigen Sehenswürdigkeiten reichlich gefüllt.
In der Altstadt wimmelt es nur so von historischen Palazzi und bedeutenden Gebäuden wie der ehemaligen Königsresidenz Palazzo Reale oder der gegenüberliegenden Basilika San Francesco an der imposanten Piazza del Plebiscito.
Nur wenige Schritte entfernt liegen prachtvolle Plätze wie die Piazza del Gesù Nuovo oder die Piazza Dante am Beginn der quirligen Einkaufsmeile Via Toledo, die schließlich in der eleganten Galleria Umberto I. endet.
Welrtberühmt. Die Pizzeria „Da Michele“. Eine Empfehlung für alle Fans echter neapolitanischer Pizza.
UNESCO-Erbe und Pizza-Kult
Seit 1995 gehört das Centro Storico – die gesamte Altstadt – zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und auch eine andere Ikone ist untrennbar mit Neapel verbunden: die weltberühmte Pizza Margherita alla Napoletana.
Diesen Fladen mit fluffigem Rand und puristischem Belag genießt man am besten im Quartieri Spagnoli. In den belebten, engen Gassen des Spanischen Viertels, wo neben alteingesessenen Neapolitanern auch Intellektuelle und Immigranten wohnen, reihen sich kleine Alimentari, Obst- und Gemüseläden an unzählige Pizzerien und Fritti-Stationen. Hier wird den ganzen Tag gefuttert, als gäbe es kein Morgen.
Sehenswert. Die Katakomben von San Gennaro sind die größten Neapels mit wunderschönen Fresken.
Kirchen, Katakomben und Unterwelten
Nach einer sündig guten Völlerei ist es nicht weit zum sehenswerten Duomo San Gennaro oder zur Kirchen- und Klosteranlage Santa Clara – nur zwei von hunderten Kirchen der Altstadt.
Doch auch im „Keller“ der Stadt wartet Fantastisches. Bei der Tour „Napoli Sotterranea“ taucht man rund 40 Meter unter der Oberfläche in ein Labyrinth aus Höhlen, Gängen und Tunneln ein.
Auch mehrere Katakomben – etwa jene von San Gennaro – wurden adaptiert und erst in jüngerer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Prädikat: äußerst sehenswert.
Espresso, Meerblick und Dolce Vita
Nach dieser geballten Ladung Eindrücke und zur Vorbeugung möglicher Ermüdung empfiehlt sich ein Besuch im Gran Caffè Gambrinus. In einem der ältesten Cafés Italiens mit Pasticceria lässt sich bei Belle-Époque-Atmosphäre und einem typisch starken neapolitanischen Espresso der Blutzuckerspiegel formidabel anheben. Nach einem solchen Tag in dieser lärmenden und chaotischen, aber zugleich sinnlichen und herzlichen Stadt ist Entspannung am Lungomare angesagt. Im „Il Transatlantico“ kann man bei Spaghetti Vongole und wunderbarem Blick über das Meer das Dolce Vita so richtig genießen. Neapel – die wohl typischste aller italienischen Städte.
verfasst von Eva und Peter Hadolt