San Fran

San Francisco – von freier Liebe zu knallhartem Markt

San Francisco ist Sehnsuchtsort, Hippie-Legende und Tech-Metropole in einem: Von der Golden Gate Bridge über Haight-Ashbury bis zu Robo-Taxis und Silicon Valley zeigt sich die Stadt an der Bay so widersprüchlich wie faszinierend. Diese sechs Erlebnisse sollten Besucher auf keinen Fall verpassen.

Woran denken Sie, wenn Sie San Francisco hören? Vielleicht sind es Karl Malden und Michael Douglas, die in der 1970er-Jahre-Serie „Straße auf Straße“ ab ihre Verbrecher einfangen.

Oder es ist der Summer of Love. 1967 versammelten sich zehntausende junge Menschen, um von einer neuen Welt zu träumen und gegen den Vietnamkrieg zu protestieren. Als die Polizei landesweit warnte, hier würde gekifft, LSD konsumiert und auch noch der freien Liebe gehuldigt, strömten die Menschen erst recht herbei. Zentrum des Ganzen war das Hippie–Viertel Haight-Ashbury, wo innerhalb von nicht einmal 100 Metern die Musiklegenden Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jerry Garcia von den Grateful Dead lebten und Musikgeschichte schrieben. Schon im Jänner davor hatte es im Golden Gate Park – einem Erholungsgebiet, das den legendären New Yorker Central Park locker in den Schatten stellt - das berüchtigte „Be-Ing“ gegeben. Aus Protest gegen das LSD–Verbot wurde das Rauschmittel auf der Straße verteilt.

Oder denken Sie – und das liegt ebenfalls auf der Hand – an die Golden Gate Bridge, die sich 2,7 km lang über die Einfahrt zur San Francisco Bay spannt? Die in Rot leuchtende Brücke ist von Kalifornien nicht wegzudenken. Oder Ihnen kommt einer der besten Filme überhaupt in den Sinn? Alfred Hitchcocks „Vertigo“, in dem sich James Stewart und Kim Novak eine am Ende tödliche Schnitzeljagd durch die ganze Stadt liefern. Wie auch immer: Am 16. Juni startet Österreich im einzigen Fußballstadion der Region - dem San-Francisco-Bay-Area-Stadion in Santa Clara - gegen Jordanien in die WM und legt hoffentlich den Grundstein für den Aufstieg in die zweite Runde. Schlachtenbummler haben dann also eine gute Gelegenheit, einige Tage in der legendären Stadt von Love, Drugs and Rock’n’Roll anzuhängen. Wert wäre es das allemal.

Doch was ist aus „San Fran“ inzwischen geworden? Karl Malden und James Stewart sind längst tot, und die Hippies, entweder auch, oder sie haben San Francisco längst verlassen. Der Spirit der Sechziger- und Siebzigerjahre trieft aber nach wie vor aus allen Ecken und Enden dieses wunderbaren Ortes an der malerischen San Francisco Bay. Aber eben nicht nur. San Francisco ist gleichzeitig die Stadt des - manchmal gnadenlosen - Fortschritts: Im nahen Silicon Valley sitzen nicht nur Tech–Giganten wie Google, Meta oder Apple. In der Stadt wird auch alles ausprobiert, was geht und fährt - oder eben nicht: Hier ist Uber gestartet, in den innerstädtischen Berg-und-Tal-Bahnen kurven inzwischen auch immer mehr Robo-Taxis der Google-Tochter Waymo herum. Und jetzt zittern die Uber-Fahrer um ihre Jobs, es ist beinhart.

Waymo im oe24-Test

oe24 wagte sich ins Robo-Taxi – die Fahrt verlief tadellos. Selbst im völlig chaotischen Auf-und-Ab San Franciscos wurden wir wohlbehalten am Ziel abgesetzt. Nun, zumindest halbwegs. Wie sich schnell herausstellte, hatte uns der Robo-E-Jaguar an der Rückseite des gewünschten Hauses abgesetzt.

San Francisco – von freier Liebe zu knallhartem Markt
© ZVG

Für die „Locals“ ist der Techno-Boom nicht immer lustig: Die enormen Gehälter der Computerspezialisten lassen die Wohnkosten explodieren, da kann es schon mal sein, dass eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern um 4 Millionen Dollar (3,5 Mio. Euro) über den Ladentisch geht. Monatsmieten von 3.000 Dollar (3.418 Euro) sind ebenfalls keine Seltenheit. Dazu kommt: Alles wartet darauf, wohin sich die Künstliche Intelligenz entwickelt. Neue Mitarbeiter werden derzeit nur zaghaft eingestellt. Vier Tage, so sagen Kenner, braucht es, um diese einstige Stadt der Träume wenigstens ein bisschen kennenzulernen. Oe24 listet auf, was Sie bei Ihrem San-Francisco-Besuch nicht versäumen dürfen. Eines gleich vorweg: Ziehen Sie sich schon mal warm an. Wenn gegen Abend der Nebel über die Bay rauscht, sinken die Temperaturen schon mal in Richtung 12 Grad Celsius. „Wir verdienen ein Vermögen mit dem Verkauf von Sweatern und Hoodies an ahnungslose Touristen“, lacht ein Local. Kalifornische Hitze – hier gibt es nicht gerade im Sommer nicht.

Mission 1: Radtour über das Golden Gate

Ab zu einem der vielen E-Bike–Vermieter – flugs aufgestiegen und ab geht es von der City via dem ehemaligen weltberühmten Militärstützpunkt Presidio über die Golden Gate Bridge ins mondäne Sausalito. Und mit der Fähre fährt man wieder zurück. Anbieter wie Blazing Saddles haben auch geführte Touren im Programm. Planen Sie dafür schon mal fünf Stunden ein - Sie werden es nicht bereuen, die Bay und die City liegen Ihnen zu Füßen.

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Mission 2: Haight-Ashbury

Ohne Besuch des einstigen Hippie-Viertels und der benachbarten Queer-Hochburg Castro waren Sie nicht in San Francisco. Hier begann der Summer of Love, der 2027 seinen 70. Geburtstag feiert – für das Jubiläumsjahr soll es allerlei Feiern geben. Und der deutsche Reiseführer Frank Christian Marx - der frühere Schauspieler ist an der Bay hängen geblieben - kennt dort alle Wohnsitze von Legenden wie Jimi Hendrix oder Janis Joplin und bietet auch private Touren an, praktischerweise in Deutsch. Wer es ein bisschen billiger will und California-Slang nicht scheut, der wendet sich an die SF Cityguides: Interessierte Freiwillige zeigen hier ihr San Francisco, erwartet wird nur eine Spende von 20 Dollar. Privattouren gibt es auch, hier fallen pro Person aber 30 Dollar an.

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Mission 3: Mission Laut, manchmal schmutzig - und doch so herrlich, das von Latinos dominierte Mission-Viertel.

Hier steht auch jene Kirche, die im Hitchcock-Thriller so eine unrühmliche Rolle spielt, Sie stolpern geradezu drüber. Genießen Sie den Blick vom Mission Dolores Park über die City, Sie werden ihn nicht vergessen. Oder warum nicht eine Food Tour des Anbieters Stretchy Pants, die besten Burritos der Welt gibt es dort, und wohl auch die beste Street Art. Doch auch das soll nicht verschwiegen werden: Das Drogenproblem der Stadt ist hier offensichtlich.

Mission 4: Presidio

Die einstige Militärbasis ist inzwischen eine kühne Mischung aus Nationalpark, hippem Wohnviertel und kreativem Zentrum. Hier sind die Büros der Firmen von Star Wars-Erfinder George Lucas mit dem begehrten Yoda-Brunnen (wo Fotografieren du dich lassen kannst), aber auch Hotels wie das Lodge at the Presidio oder Top-Restaurants wie Dalida. Und nicht zuletzt: Ein Park mit einem atemberaubenden Blick auf die Golden Gate Bridge.

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Mission 5: Love Tour

Doch zurück zu den Hippies. Der Manager Allan Graves dachte sich 2013, wie biete ich den Touristen das perfekte Summer-of-Love-Feeling und startete mit einem 1972er VW-Bus die San Francisco Love Tour. Inzwischen kurven fünf bunt und blumig bemalte Love-Busse durch die Stadt, und Allans größtes Problem ist nicht die Auslastung seiner quietschbunten Gefährte, sondern wie er die museumsreifen Auto-Legenden am Laufen hält.

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Mission 6: Pier 39

Zum Schluss etwas doppelt Tierisches. In Fisherman’s Wharf am Pier 39 räkeln sich unter großem Hallo der Touristen rund hundert Seelöwen, darunter der 900 kg schwere Bulle Chonkers, der immer wieder weltweit für Schlagzeilen sorgt. Und weil wir am Meer sind, sollte man die Szenerie nicht verlassen, ohne in eines der sensationellen Fischrestaurants eingekehrt zu sein. Probieren Sie im Fog Harbour’s Fishhouse die Muschelsuppe im Sauerteig-Brot. Sie werden es nicht bereuen.

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In die City kommt man dann gut mit einem weiteren legendären San Francisco-Wahrzeichen: mit dem Cable Car. Das ist zwar auch in die Jahre gekommen – eine Fahrt ist deshalb mehr denn je ein Abenteuer. Ein Fahrer – der „Gripman“ – greift das unter der Erde verlaufende Kabel mit einer Zange und lässt so den Wagen den Berg hinaufziehen, während der „Conductor“ nicht nur die Fahrkarten kontrolliert, sondern bergab auch für das Bremsen zuständig ist. Das ist laut, rumpelig und nichts für schwache Nerven. Da ist eine Geisterfahrt mit dem Robo-Taxi nix dagegen.

 

Verfasst von Günther Schröder

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