Afrika-Siege beim 43. Vienna City Marathon. Während der Kenianer Fanny Kiprotich in 2:06:54 die Strecken-Bestmarke klar verpasste, nützte Tigist Gezahagn aus Äthiopien die Topbedingungen zur Frauen-Rekordzeit von 2:20:06. Aaron Gruen (27) war lange auf Österreich-Rekordkurs, musste aber aufgeben.
Bei Traumwetter (Temperaturen unter 20 Grad, kein Wind) waren sowohl die internationalen Topläufer als auch Gruen lange auf Rekordkurs. Doch nach gut einer Stunde, kurz vor dem Halbmarathon, der Schock für die Zuschauer am Streckenrand und die vielen, die die Übertragung auf der Vidiwall im Zielraum vor dem Burgtheater verfolgten: Gruen blieb stehen und stieg ins Betreuerauto ein. Für den in den USA lebenden ÖLV-Rekordmann (2:09:53) wurde das Wien-Debüt zur bitteren Enttäuschung.
Die Reporter ließ der Harvard-Medizinstudent vergeblich warten. Er meldete sich lediglich mit einem schriftlichen Statement: "Ich habe schon am Start gespürt, dass es schwer wird. Ab Kilometer 15 war es mein Eindruck, als wären die Beine nicht da. Da wusste ich, dass ich es nicht ins Ziel schaffe, daher habe ich das Rennen aufgegeben. Es war körperlich und mental sehr schwierig."
Beeindruckendes Kenia-Solo - Vojta bester Österreicher
An der Spitze lief der 24-jährige Kiprotich einem souveränen Solosieg entgegen. Die Wien-Bestmarke von 2:05:08 verpasste er aber dann doch deutlich. Zum Vergleich: Den aktuellen Marathon-Weltrekord ist Kelvin Kiptum in 2:00:35 beim Chicago Marathon 2023 gelaufen.
Kiprotich war mit einer persönlichen Bestzeit von 2:11:21 für seinen zweiten Marathon überhaupt nach Wien gereist. Wieder einmal fiel die Vorentscheidung im Prater. Der vergleichsweise muskulöse Athlet hatte sich erst mit Oqbe Kibrom aus Eritrea gemeinsam bei einer Verpflegungsstation auf der Hauptallee von der Spitzengruppe abgesetzt, ehe er auch den Topfavoriten stehenließ.
Kibrom musste sich als Zweiter Kiprotich um 1:17 Minuten geschlagen geben. Als Dritter lief Charles Mneria aus Kenia (+1:49) ein.
Andreas Vojta kam als bester Österreicher in 2:15:07 als Neunter ins Ziel und meinte: "Die Zeit ist nicht das, was ich mir erhofft hatte. Ich hatte mir körperlich hinten raus mehr erhofft, ab dem Prater kurz vor 30 ist es gut reingefahren." Das Kapitel Marathon ist für den 36-Jährigen aber noch nicht abgeschlossen: "Ich werde keine Ruhe geben, bis der Marathon da ist, mit dem ich zufrieden bin."
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Paralympics-Siegerin triumphierte, Wutti Zehnte
Die sehbehinderte Gezahagn, über 1.500 m zweimalige Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics (2020, 2024), unterbot den vier Jahre alten VCM-Rekord der Kenianerin Vibian Chepkirui (2:20:59) und verwies ihre Landsfrau Tesfaye Haftamnesh um zwölf Sekunden auf Platz zwei.
Schnellste Österreicherin wurde Eva Wutti als Zehnte. In 2:42:37 wurde es aber nicht die Zeit, die sie vor hatte. "Ich bin total fertig, es war so ein hartes Rennen", so Wutti. Sie berichtete von untypisch früh auftretenden Muskelproblemen. "Ich musste öfter stehen bleiben." Ein möglicher Erklärungsansatz: Sie war in der Vorbereitung keinen Halbmarathon gelaufen. "Aber eine wirkliche Erklärung habe ich noch nicht", sagte Wutti. "Ich wollte die tolle Stimmung und das Publikum beim Zieleinlauf nicht missen", so die Vollzeit-Juristin. "Ich habe mich Kilometer für Kilometer durchgehangelt."