Große, aber späte Ehre für Wolfgang Ambros. Diese Woche wurde ihm das „Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich“ verliehen. Im oe24.TV-Interview spricht Ambros über seine Ehrung, die Causa Seiler, seinen Herzschrittmacher und warum es keine neuen Songs mehr geben wird.
oe24: Gratulation: das goldene Ehrenzeichen. Endlich könnte man sagen.
Wolfgang Ambros: Ich habe mich bemüht, das bei meiner Rede auf halbwegs freundliche Art und Weise einfließen zu lassen, dass es zwar die letzte Ehrung ist, die ich kriegen werde, aber es mich daher umso mehr freut. Mein Heimatland war halt immer ein bisschen langsamer als die anderen.
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oe24: Ist Niederösterreich denn noch Ihre Heimat? Sie leben ja seit Jahrzehnten in Tirol.
Ambros: Ja sicher, ja sicher, Heimat ist Heimat, das ändert sich ja nicht. Ich weiß nicht, wie andere den Begriff so einfach umwandeln können und z.B. sagen: „Ich lebe in Brasilien und das ist jetzt meine Heimat.“ Also Heimat ist Heimat und wo man lebt, ist wieder was anderes.
oe24: Aber zurück nach Niederösterreich wollen Sie nicht mehr ziehen?
Ambros: Nein, das wäre mir ehrlich gesagt zu stressig. Weil sowas, wie ich es hatte, das kriege ich nie wieder. Und sie soll glücklich werden damit, ja. Aber ich möchte etwas haben, was mir gehört, ja. Und wenn einem das auf derartige brutale Weise abgetrotzt wird, dann interessiert es mich auch nimmer mehr.
oe24: Ihr Sohn Matthias war jetzt bei der Ehrung mit dabei, aber zu Ihren Zwillingen haben Sie keinen Kontakt mehr?
Ambros: Ich weiß nicht wirklich wo die sind. Die sind mit Tirol, aber die sehe ich nicht. Ich habe lange Zeit alles versucht aber das wurde mit auf böseste Weise immer wieder verwehrt. Und jetzt sage ich: „Gut, dann nicht!“
oe24: Wie geht es Ihnen? Das ist natürlich eine Frage, die sich alle immer stellen.
Ambros: Also das war schon schlechter! Ich muss halt mit diesen Stöcken gehen, aber ich habe mich schon daran gewöhnt und ich kann überall hingehen. Also es gäbe, glaube ich, Schlimmeres.
oe24: Sie haben jetzt auch einen Herzschrittmacher
Ambros: Ja. Da können Sie hergreifen. Ich kann aber jetzt nicht sagen, ob er irgendwas zu meinem Wohlbefinden getan hat. Ob er mir vielleicht schon einmal das Leben gerettet hat oder auch nicht. Ich kann es nicht sagen. Man spürt ihn nicht.
Christopher Seiler mit Wolfgang Ambros
oe24: Sie haben 2019 mit Seiler und Speer das Duett „Servas Du“ aufgenommen. Jetzt gibt es große Diskussion um Seiler. Was sagen Sie dazu?
Ambros: Ich habe ihn angerufen, er hat mir erzählt, wie es wirklich war. Und das war natürlich indiskutabel, aber auch die Hetzjagd war letztklassig. Da hat vieles nicht gestimmt! Ich habe ihm auch gesagt, er soll das machen: Er soll jetzt in die Reha gehen und er soll sich auskurieren. Ich glaube ja nicht, dass das irgendwie großartig was bewirkt, aber er braucht den Dreck nicht und es wäre schön, wenn das einmal aufhören würde.
oe24: Wenn er nun also sagt: „Wolfgang, spielen wir gemeinsam“ dann sind Sie sofort dabei?
Ambros: Ja, freilich, ja, klar.
oe24: Am 16. Mai steigt der Song Contest in Wien. Interessiert Sie das?
Ambros: Also in dem Sinn, dass ich da jetzt irgendwie mitmache interessiert es mich nicht. Aber freilich muss man sich anschauen. Zuletzt waren an die 20 Leute in meinem Haus und alle Fernseher sind für den ESC gelaufen. Ich selbst werde keine Song Contest Party machen, aber die wird sicher stattfinden.
Ambros mit oe24-Reporter Thomas Zeidler-Künz
oe24: Was schafft Österreich bei der Fußball-WM?
Ambros: Ich hoffe, dass wir über die Gruppenphase kommen und dann sind wir eh schon weit. Für das erste Spiel werde ich vielleicht auch früh aufstehen, so dass man mal weiß, wie das ist. Österreich gegen Jordanien schaue ich mir mal an.
oe24: Denken Sie eigentlich an neue Songs oder haben Sie schon alles gesagt?
Ambros: Nein. Ich habe mit meinem 60. Lebensjahr schon diese Phase abgeschlossen. Ich habe beschlossen, dass ich gesagt habe, was zu sagen war. Ich brauche mich jetzt nicht mehr wichtig machen. Worauf kein Mensch mehr neugierig ist. Das sehe ich ja beim Kollegen (Anm.: Rainhard Fendrich), wie das angenommen wird. Das brauche ich nicht. Das interessiert mich nicht. Ich glaube auch, dass das, was ich gemacht habe genügt. Was ich aber nach wie vor gerne mache, sind Konzerte. Ich will Gitarre spielen, ich möchte singen und den Menschen Freude bringen.
Interview: Thomas Zeidler-Künz