NADA gibt sich bedeckt

Weiteres Vorgehen

NADA gibt sich bedeckt

Kohl und Hütthaler entscheiden wurden im September zwei Jahre gesperrt. Hütthaler ist zudem mit einer Strafanzeige wegen Bestechung konfrontiert.

Bernhard Kohl und Lisa Hütthaler haben jahrelanges Doping mit diversen Substanzen gestanden. Die beiden aufgrund der Ermittlungen der Kriminalpolizei plötzlich sehr auskunftsbereiten und seit Herbst wegen EPO-Dopings bis 3. Juli 2010 bzw. 22. März 2010 gesperrten Sportler können, bei Inanspruchnahme der Kronzeugenregelung, aber sogar mit einer Reduzierung ihrer Wettkampfsperren rechnen. Ihnen drohen wegen möglicher weiterer Verstöße jedoch im gleichen Zuge weitere Disziplinarmaßnahmen, die bis hin zu lebenslangen Sperren reichen können.

Keine Details
Die Nationale Anti-Doping Agentur NADA beriet am Mittwoch über das weitere Vorgehen bzw. die mögliche Einleitung weiterer Verfahren, gab aber dazu keinerlei Details bekannt. Damit bleibt vorerst offen, ob und wann sich Kohl, Hütthaler und andere in Medien genannte Sportler, wie der mutmaßliche Doping-Dealer und Radprofi K., vor der NADA verantworten müssen.

Das Verfahren gegen Kohl ist abgeschlossen. Sollte der Niederösterreicher eine Wiederaufnahme verlangen, oder die NADA nach dem Geständnis ein weiteres Verfahren einleiten, könnte sowohl eine Reduzierung, aber bei Nachweis eines zusätzlichen Verstoßes auch eine weitere Sperre ausgesprochen werden. Bereits verhängte Strafen können nur mit Einverständnis der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) reduziert werden.

Zurückhaltend
Kohl hatte vor der NADA-Rechtskommission zwar Doping im Vorfeld der Tour de France, die er sensationell als Gesamt-Dritter abgeschossen hatte, zugegeben, Hintermänner aber verschwiegen. Zu einem möglichen Comeback nach Ablauf seiner Sperre äußerte er sich am Dienstag im Zuge seiner zweiten öffentlichen Beichte binnen weniger Monate zurückhaltend.

Gerichtsverfahren gegen Hütthaler
Triathletin Lisa Hütthaler gestand in der vergangenen Woche in einem Zeitungsinterview wie Kohl die Einnahme von EPO, Testosteron und Wachstumshormon über Jahre. Vor der NADA-Kommission hatte sie Doping stets bestritten. Die 25-Jährige sieht sich einer Anzeige wegen angeblicher Bestechung einer Mitarbeiterin des WADA-Labors in Seibersdorf auch mit einem möglichen Gerichtsverfahren konfrontiert. Ihr sportrechtliches Verfahren ist wegen der noch ausstehenden Entscheidung der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt noch nicht abgeschlossen.

Auch Hütthaler könnte bei der von ihr angekündigten Zusammenarbeit mit der NADA eine Reduktion ihrer Sperre erwirken. Ob Hütthaler sich mit ihm bereits in Verbindung gesetzt hat, darüber wollte Schaar keine Angaben machen. Er sieht die plötzliche Wandlung "vom Saulus zum Paulus" grundsätzlich kritisch, wollte aber keinerlei Prognosen über den möglichen Ausgang etwaiger Verfahren abgeben.

Außerdem führte Schaar aus, dass seiner Ansicht nach auch gegen sogenannte Hobbysportler Verfahren wegen Dopingvergehen möglich seien. Hütthalers ehemaliger Lebensgefährte und frühere Radprofi Michael D. hätte somit, wie auch weitere im Zuge der Ermittlungen der Kriminalpolizei angeblich aufgetauchte Hobbysportler, mit Disziplinarmaßnahmen zu rechnen. Lizenzinhaber, die an Wettkämpfen teilnehmen, etwa im Radsport und Triathlon, unterlägen sowieso den Anti-Doping-Richtlinien ihrer Verbände und können dementsprechend auch belangt werden.